Der französische Ableger der Konsumentenschutzorganisation foodwatch hat am Mittwoch bei der Pariser Staatsanwaltschaft Anzeige gegen Lactalis erstattet. Mit diesem Schritt solle verhindert werden, dass auch dieser Skandal im Sande verlaufe und die Verantwortlichen straffrei blieben.
Die Konsumentenschützer wiesen darauf hin, dass Lactalis bereits bei der Übernahme des von der Kontamination betroffenen Werkes 2006 gewusst habe, dass ein Jahr zuvor von diesem Produktionsstandort aus mehr als 100 Säuglinge mit Salmonellen infiziert worden seien. Trotzdem habe Lactalis-Generaldirektor Emmanuel Besnier 2017 nicht ausschließen können, dass seit zwölf Jahren derselbe Stamm von Erregern für die Kontaminationen verantwortlich sei. Laut foodwatch haben Untersuchungen des Instituts Pasteur bestätigt, dass zumindest die Vorfälle von 2005 und 2017 auf denselben Stamm zurückgingen.
Auch Politik wird kritisiert
In der Kritik der Konsumentenschützer stehen auch die Politik und die Labore. Die Kontrollunternehmen seien verpflichtet, Gesundheitsrisiken an die zuständigen Behörden zu melden. Die letzte Salmonellenkontamination habe mindestens seit letzten Sommer bestanden; trotzdem sei weiterhin unklar, ob dem verantwortlichen Präfekten diese Information vorgelegen habe. Eine von beiden Instanzen müsse versagt haben, so foodwatch.
Unterdessen warf der Direktor der Generaldirektion Ernährung (DGAL), Patrick Dehaumont, Lactalis gestern bei einer Anhörung im Wirtschafts- und Finanzausschuss des Senats Intransparenz vor. Dehaumont erklärte, es gebe eine Diskrepanz zwischen den bei den Inspektionen vorgelegten Berichten und den Ergebnissen der unternehmensinternen Kontrollen. Das Unternehmen habe in den Jahren 2009, 2011, 2013, 2014 und 2017 bei eigenen Untersuchungen Salmonellen im Produktionsumfeld festgestellt, so der DGAL-Direktor. Bedauerlicherweise seien daraufhin jedoch keine Maßnahmen ergriffen worden.
AgE