Der 13-köpfige Vorstand des Schweizerischen Schafzuchtverbands (SSZV) ist sich in die Wolle geraten. Anfang Jahr kritisierten vier Ex-Mitglieder in einem Rundschreiben den 2015 gewählten Präsidenten Alwin Meichtry scharf. Zudem wollen sie an der GV vom 24. Februar mit einem Sprengkandidaten für seine Abwahl sorgen.

Ersatzkandidat steht bereit

Als Ersatzkandidat steht  Ruedi Anken aus Oberbalm BE bereit.  Er ist schon im Mai 2017 aus Protest aus dem Vorstand zurückgetreten. Später folgten seine Kollegen Werner Wicki (im März 2017 als Vize zurückgetreten) sowie Ambros Zurfluh und Beat Würsch. Unterstützung geniessen sie auch von der Tessiner Vorstandsvertreterin Caterina Lamoni Grogg. Sollte Meichtry an der GV abgewählt werden, wären die Zurückgetretenen bereit, in den Vorstand zurückzukehren. Meichtry wollte zu den Vorwürfen der Kollegen keine Stellung nehmen. Die übrigen Vorstandsmitglieder wehrten sich aber in einem Schreiben vom 8. Januar für ihren Präsidenten.

Gefragt nach den Ursachen des Streits sagt Anken, dass die Zusammenarbeit mit Meichtry ein Problem sei. Ein anderer Insider ergänzt, er wisse immer zum Voraus alles besser und lasse nicht mit sich diskutieren. Anken meint, dass der Vorstand in der jetzigen Situation kein verlässlicher Partner für die Basis mehr sei. Ein weiterer mehrfach genannter Kritikpunkt ist das getrübte Verhältnis zu Partnerorganisationen, wie dem Schweizerischen Ziegenzuchtverband. «Es ist schon schwieriger geworden», bestätigt Geschäftsführerin Ursula Herren. Dies sei umso bedauerlicher, weil die kleine Kleinwiederkäuerszene unbedingt zusammenhalten müsse, um gemeinsame Anliegen durchzubringen.

Kommt «Schafe Schweiz»?

Die unabhängig vom SSZV geplante Gründung einer Branchenorganisation Schaf Schweiz ist laut Ruedi Anken ebenfalls auf die gestörte Kommunikation innerhalb der Branche zurückzuführen. «Hier sollte die Federführung beim SSZV liegen», betont Anken, die Ausgetretenen seien aber nicht beteiligt an den Plänen der Initianten von «Schafe Schweiz». Die Initianten rund um das ehemalige SSZV-Vorstandsmitglied Martin Keller hatten am Samstag über eine allfällige Gründung debattiert (s. Bericht im Kasten).

Der SSZV wollte schon 2011 die Gründung einer Branchenorganisation an die Hand nehmen, ein knapper Beschluss der Generalversammlung verhinderte damals aber die dafür notwendige Statutenänderung.

akr