Vor vier Jahren trat das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China in Kraft. Der Schweizer Bauernverband (SBV) hat nun Bilanz gezogen. Das Ergebnis sei angesichts der damaligen hohen Erwartungen ernüchternd, beklagt der Verband in einer Mitteilung.

Zwischen 2012 und 2017 konnte der Anteil Agrarprodukte am gesamten Export nach China auf 1,2 Prozent verdoppelt werden. Hauptverantwortlich dafür ist laut SBV die Absatzentwicklung von Babynahrung. Gemeinsam mit Kaffee und Schokolade macht diese über 70 Prozent der Lebensmittelexporte aus. Diese positive Entwicklung gehe jedoch nicht auf das Freihandelsabkommen zurück, betont der SBV, sondern in erster Linie auf den chinesischen Melamin-Skandal rund um kontaminierte Babynahrung. Der Absatz habe bereits mit dem Beginn des Melamin-Skandals im Jahr 2008 stetig zugenommen.

Beim Käse betrug das Exportwachstum vor dem Abkommen jährlich rund 8,5 Prozent. Nach dem Abschluss stieg die Menge um 60 Prozent. Diese Entwicklung basiert laut SBV aber leider nicht auf der steigenden Nachfrage zahlungskräftiger Chinesen nach Gruyère, Emmentaler oder Appenzeller. Vielmehr handele es sich um billigen, austauschbaren Reib- und Pulverkäse. Mit einem Durchschnittspreis von 4,26 Franken pro Kilo bringen diese Exporte den Milchbauern keinen Mehrwert, sondern drohen dem Image des Schweizer Käses sogar zu schaden.

Gesamtwirtschaftlich stiegen die Exporte nach China (inkl. Goldhandel) zwischen 2012 und 2017 um 47 Prozent. Am stärksten legte die Pharmabranche zu. Während der Pharmasektor seinen Anteil verdoppeln konnte, büssten sowohl der Maschinensektor als auch die Uhrenindustrie sogar Anteile ein. Zudem lassen sich die höchsten Wachstumsraten vor 2014 feststellen. Der SBV schliesst daraus, dass die Konjunktur in China sowie der Wechselkurs entscheidender zur Handelsentwicklung beitrugen, als das eigentliche Freihandelsabkommen. Fazit: Sieht man von der Pharmabranche ab, scheint das Abkommen der Schweizer Wirtschaft die beim Abschluss bestehenden Hoffnungen noch nicht zu erfüllen.

Für den SBV ist klar: Das Abkommen mit China hat der Schweizer Landwirtschaft zwar nicht geschadet, aber auch keinen Nutzen gebracht.

lid