Seit Anfang Juli sind auf dem Brienzer Rutsch rund 85 Millimeter Regen gefallen. Während die länger andauernden Niederschläge vom 11. bis 13. Juli (22 mm) und am 18. und 19. Juli (16 mm) keine Auswirkungen auf die gemessenen Geschwindigkeiten zeigten, löste der starke Niederschlag vom vergangenen Freitag, 21. Juli (14 mm innerhalb ca. 2 Stunden) einen spürbaren Geschwindigkeitsschub aus. Auch die Anzahl und die Grösse von Stein- und Blockschlägen nahmen markant zu. 

Es brechen immer wieder Steine ab

Die Messdaten der vergangenen Tage zeigen Beschleunigungen vor allem im obersten Bereich der neuen Schuttablagerung, in der «Insel Ost» und im zentralen Bereich der «Front». Die starke Zunahme der Stein- und Blockschläge kommt vor allem aus dem mittleren Bereich der Front. Hier brechen immer wieder Steine, Blöcke und auch ganze Felspartien aus und stürzen ab. Sie bleiben meistens direkt unterhalb der Front oder auf der «Terrasse» liegen. 

Eine grossflächige Beschleunigung des Bereichs «Plateau» oberhalb des Geröllfeldes ist nicht feststellbar. Für das Dorf Brienz/Brinzauls bestehe deshalb keine unmittelbare Gefahr, vermeldet das aktuelle Informationsbulletin der Gemeinde Albula-Alva. Und verweist auf das Betretungsverbot im Gefahrenbereich hinter und oberhalb des Dorfes. Das muss unbedingt eingehalten werden.

Unter genauer Beobachtung 

Der Frühwarndienst beobachtet die Lage täglich und informiert umgehend, falls sie sich verändern sollte. Dass gewisse Bereiche der Rutschung Berg hoch über dem Dorf auf Regen reagieren, sei nicht neu, schreibt Christain Gartmann vom Gemeindeführungsstab. In der Folge des Schuttstroms und der Felsstürze der Nacht vom 15. auf den 16. Juni 2023 beobachtet der Frühwarndienst Albula/Albula die Rutschung Berg und die Stabilität der abgelagerten Schuttmassen genau. Insbesondere die Frage, wie das Gebiet auf grössere Niederschläge reagiert, steht im Vordergrund.

Schon in den vergangenen Jahren hätte sich immer wieder gezeigt, dass die Geschwindigkeiten in diesen Bereichen bei längeren und intensiveren Niederschlägen rasch zunahmen, sich danach aber ebenso rasch wieder beruhigten. Auch die Blockschläge nahmen jeweils merklich zu, wenn die Rinnen in der riesigen Geröllhalde durch den Regen ausgewaschen wurden. Für das Dorf stellten sie aber nie eine Gefahr dar.