Kühe haben wie Menschen einzigartige Gesichtszüge. Das macht, auch wenn man es nicht unbedingt denken würde, Gesichtserkennung auch bei ihnen möglich. Die entsprechende Technologie dafür kommt von Cainthus, einer in der irischen Hauptstadt Dublin angesiedelten Firma.
Änderungen im Verhalten erkennen
Ein ausgeklügeltes Zusammenspiel von Stallkameras, Sensoren und Bildanalyse machts möglicht, zu erkennen, ob eine Kuh sich nicht mehr genug bewegt, lahmt oder weniger frisst und trinkt. Dann wird der Landwirt alarmiert - per Nachricht auf sein Handy oder seinen Computer. Die Software soll Milchbauern helfen, sich besser um ihre Kühe zu kümmern, produktiver zu werden und nicht zuletzt, Kosten zu sparen.
Das System kam 2015 zum ersten Mal auf einer Milchfarm in Ottowa (Kanada) zum Einsatz. Seither wurde es auf Farmen in New York und Kalifornien, wie auch auf Betrieben in Italien und Spanien installiert, wie «Star Tribune» und «Bloomberg» berichten. China soll bald folgen. Für Farmer mit mehr als 800 Kühen habe die Gesichtserkennung besondere Vorteile, sagt David Hunt, einer der Gründer der Firma.
Wie viel das System kostet, hängt vor allem von der Stallgrösse und der Anzahl Tiere ab. Die Mitarbeiter von Cainthus besuchen den Betrieb und installieren während mehrerer Tage die Kameras.
Das System braucht nur wenige Sekunden, um die Gesichtszüge eines Einzeltiers zu erfassen. Es dauert aber mehrere Wochen, bis es individuellen Bewegungsmuster so genau analysieren kann, dass es weiss, was normales Kuhverhalten ist und was davon abweicht.
Die Hardware kostet 38 bis 50 Dollar (35 bis 46.50 Franken) pro Kuh und Jahr. Dazu kommen 50 Dollar pro Tier und Jahr für Daten und Analyse.
In Zukunft auch für Schweine, Hühner und Fische
Überzeugt von der irischen Innovation ist der US-amerikanische Lebens- und Futtermittelsherstellerriese Cargill Inc (siehe Kasten). Er hat eine Minderheitsbeteiligung an Cainthus erworben. Über die Details des Geschäfts wurde Stillschweigen vereinbart.
Während der Fokus aktuell auf Milchkühen liegt, arbeiten Cainthus und Cargill bereits an einer Variante des Systems für Schweine. In Zukunft möchten sie die Gesichtserkennung sogar für Geflügel und Fische möglich machen.
jw