Der Bundesrat verabschiedete vergangenen Mittwoch seinen Bericht zur mittelfristigen Weiterentwicklung der Agrarpolitik ab 2022 (AP22+). Diese sogenannte Gesamtschau setzt auf zwei Achsen (wir berichteten): Im Inland sollen Akteure der Land- und Ernährungswirtschaft neue Perspektiven erhalten. Gleichzeitig soll der Markt stärker geöffnet werden, sprich der Bundesrat will mehr Freihandel. Der Grenzschutz der Landwirtschaft sei schwierig aufrecht zu erhalten, sagte Landwirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann vor den Medien. In Gesprächen über Freihandel sei dieser Schutz immer wieder ein Thema. "Wir können uns Anpassungen nicht verweigern."

Nachdem bereits verschiedene landwirtschaftliche Verbände und Organisationen (namentlich der SBV, die Kleinbauern und Sals-Schweiz) ihren Unmut über diese Pläne kundgetan haben, meldet sich nun auch der Freiburger Bauernverband (FBV) in einem Communiqué zu Wort. Eine zusätzliche Grenzöffnung verbunden mit weiteren Produktionsauflagen bedeute mittelfristig «das Ende der Schweizer Landwirtschaft». Die vom Bundesrat gewünschte Grenzöffnung werde zum Verschwinden gewisser einheimischer Produktionsbereiche führen sowie die Verarmung der Bauernfamilien vorantreiben, befürchtet der FBV.

«Schockierend»

«Besonders schockierend ist, dass der Bundesrat schlichtweg gegen den Willen des Schweizer Volkes agiert, und dies nur gerade einen guten Monat nach Annahme der Initiative für Ernährungssicherheit vom 24. September 2017», heisst es weiter. Die bei dieser Abstimmung von den Konsumentinnen und Konsumenten geforderte Nachhaltigkeit und
einheimische Produktion von Lebensmitteln würden damit mit Füssen getreten.


Und: Die Schweizer Landwirtschaft dürfe nicht unter dem Vorwand geopfert werden, man wolle die Auswirkungen des teuren Schweizer Kostenumfelds reduzieren. «EinemGrenzöffnung wird nicht die Konsumentenpreise, sondern einzig die Produzentenpreise senken», mutmasst der FBV.

jw