Gut zwölf Kilometer geht es kurvenreich von Grenchen SO durch den Wald hinauf auf den Obergrenchenberg auf 1350 m ü. M. Hier oben bewirtschaftet die Familie Annemarie und Alfred Schmidig einen Bergbauernbetrieb mit einem dazugehörenden Restaurant. Während der Fahrt kommt man immer wieder in den Genuss eines einzigartigen Panoramas. Mit Blick über das ganze Mittelland bis hin zu den Berner-, Zentral- und Freiburgeralpen.
Das Fotosujet steht parat
Es kommt nicht oft vor, dass das Fotosujet schon beim Eintreffen des Autors parat steht. Einwandfrei, wie aus dem Bilderbuch, präsentiert sich das Rind Blooming Jabla. Vorgeführt und perfekt gestylt von den Söhnen und Jungzüchtern Christian und Adrian Schmidig. Man spürt es, hier ist man zu Gast bei einer eingefleischten Brown-Swiss-Züchterfamilie. Im Stall, oder besser gesagt auf der Weide, grasen 25 starke Brown-Swiss-Kühe. Leistungen von über 11 00 kg sind hier oben keine Seltenheit, obwohl die Kühe in der Weideperiode dafür viele Kilometer zurücklegen müssen.
Zu verpachten
«Zu verpachten Berggasthof mit Landwirtschaftsbetrieb Obergrenchenberg SO»: Dieses Inserat stand 2004 in der BauernZeitung. «Ohne viel zu überlegen haben wir uns damals beworben», blicken Annemarie und Alfred Schmidig zurück. Als der gelernte Mechaniker und die ausgebildete Köchin von der Bürgergemeinde Grenchen zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurden, konnten sie es kaum fassen. Nach den Vorstellungsgesprächen blieben noch drei Interessenten, einer davon Schmidigs. «Gegenüber den anderen zwei Anwärtern, welche über ein Meisterdiplom verfügten, hatte ich hingegen nur eine landwirtschaftliche Schnellbleiche gemacht», lacht Alfred Schmidig. Aber einen Vorteil hatte die Familie: Denn sie führte bisher das Bergrestaurant Heinrichshütte mit angeschlossenem Sömmerungsbetrieb auf der Rigi SZ. Dies schien auch bei der Bürgergemeinde grossen Eindruck zu hinterlassen. Noch einmal mussten Schmidigs vor der ganzen Bürgergemeinde vorsprechen und aufzählen, warum gerade sie die richtige Pächterfamilie für den Obergrenchenberg sind.
Alles richtig gemacht
Scheinbar haben Schmidigs dies so gut gemacht, dass die junge Familie aus der Innerschweiz den Zuschlag bekam und im Frühling 2006 mit Sack und Pack Richtung Jura zog. Mit dabei auch die damals zwei kleinen Buben Christian und Adrian. «Wir freuten uns riesig auf das Abenteuer», lacht Annemarie Schmidig. Obwohl der Jurabetrieb auf 1350 m ü. M. liegt, hatte die Betriebsleiterfamilie keinen Kulturschock und auch der fremde Dialekt machte ihnen keine Sorgen. «Gut, dass man hier oben ‹Sälü› statt ‹Grüezi› sagt, haben wir schnell gelernt», schmunzelt die ganze Familie.
Lieben schöne Kühe
Als Innerschweizer liegt die Brown-Swiss-Zucht den Schmidigs sozusagen im Blut. «Wir hatten damals nur eine Kuh, die uns gehörte, die anderen waren nur eingestallt», erinnert sich der Betriebsleiter zurück. «Neben den guten Milchgehalten schätzen wir vor allem das gute Fundament und die Robustheit der Rasse», sagen Alfred und der Christian Schmidig einstimmig. So werde bei der Anpaarung dem Exterieur eine grosse Beachtung geschenkt. Vor allem der Stier Jongleur hat auf ihrem Betrieb sehr gute Arbeit geleistet. Blooming, Calvin, Genox Boy oder Nescardo sind die meistgenannten Stierenväter bei der jüngsten Generation im Stall. Auch Embrio-Transfer wird durchgeführt – neustens mit den Stieren Phil und Lenox. «Mein grösster Traum ist es, einmal an der Betriebsmeisterschaft in Wattwil SG teilzunehmen», wünscht sich der 17-jährige Christian Schmidig. Einen grossen Schauerfolg konnten sie aber schon feiern. So erreichte an der letzten Bruna in Zug ihre Kuh Jolden Shanina den sehr guten fünften Rang in ihrer Abteilung.
Alle müssen anpacken
Der Obergrenchenberg ist ein Ausläufer des Weissensteins und ist der Hausberg der Grenchner Bevölkerung. Auch die vielen Wanderer kommen hier oben voll auf ihre Kosten. In den Sommer- und vor allem in den Herbstmonaten, wenn unten im Tal tagelang eine Nebeldecke liegt, herrscht hier oben bei Schmidigs Hochbetrieb. «Bis auf den letzten Platz ist unser Restaurant dann jeweils gefüllt.» Da müsse jeder mit anpacken, auch der Chef könne sich da nicht drücken. «Zum Glück haben wir gutes und treues Personal wie der Koch Andreas und der Serviceangestellte Fero», sagt Annemarie Schmidig. «Auch bei grosser Hektik versuchen wir immer freundlich zu sein und für jeden Gast ein offenes Ohr zu haben», heisst das Erfolgsrezept der Betriebsleiterfamilie. Und wer auf eine gutbürgerliche Küche setzt, ist auf dem Obergrenchenberg genau richtig.
Peter Fankhauser
Video: Zu Besuch bei Schmidigs - Weitere Bilder finden Sie hier.
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