Also… ich bin verwirrt. Es ist so ruhig im Haus. Kein Kühlschrank-auf-und-zu-Geknalle für weiteres Bier, kein Getobe im Sessel, was da alles für Idioten und lahme Enten am rumwurschteln seien und das war doch kein Foul du Pfeife kauf dir mal ne Brille undundund….  göttliche Ruhe herrscht im Haus.

Die Fussball-WM ist zu Ende. Deutschland ist neuer Weltmeister. Nach einer Verlängerung in der 113. Minute in einem nervenaufreibenden Spiel hiess es da dramatisch. Meine Nerven waren auch leicht aufgerieben die letzten vier Wochen. Aber hallo! Sie vermuten richtig. Ich gucke kein Fussball.


Ich meine, äxgüsi, wenn eines Morgens während der WM nach einem weiteren quälenden Spiel so Dialoge zwischen Chef und Angestelltem entstehen: Hast du gestern fertig geschaut – wie ist es ausgegangen? Antwort: O:O und dann die hochintelligente Schlussfrage «Für wen?» (…)  dann stellt man sich doch ganz automatisch die Frage, welche Synapsen dieses ständige  Fussballschauen bis spät in die Nacht zerstört haben.


Fussball ist was für Männer. Nix für Frauen. Das wird in tausend Jahren noch so sein. Die Männer sitzen allein oder zu herdenzusammengepferchten Rudeln vor dem Kasten und brüllen in denselbigen rein, dass die Wände krachen. Man hört ungewollt mit, warum Spieler Nummer Vier die Pfeife der Nation ist oder dass der Schiedsrichter nach Timbuktu verbannt gehört, weil der offenbar nicht nur blind ist, sondern erst noch bestochen! Ausgewechselt gehört der Kerl und gevierteilt!


Ich weiss gar nicht, warum so viele Vereine dermassen Nachwuchsprobleme haben, da gibt es tausende von Männern vor dem TV, die genau wissen, wie man perfekt Fussball spielen muss! Die haben alle voll den Durchblick.


Der Fernseher ist besetzt für die Weltmeisterschaft vom Mann, da gibt es keine Diskussionen. Fussball ist Fussball, Mann ist Mann und Frau zieh Leine, davon verstehst du nichts. Und so sind die  Abende der Frau herself überlassen. Sie kann im Gästezimmer vor dem  Gäste-TV die endlosen Wiederholungen gucken, sie kann die Kälbli striegeln, sie kann putzen, sie kann sich mit anderen Frauen zum Aperol Sprizz treffen oder zum gemeinsamen Lisme…


Nun ja, jeden Abend Aperol Sprizz ist ja auch nicht unbedingt gesund und Lisme gehört in die Winterzeit, Kino geht auch ins Geld, die tollen Abende auf dem Balkon mit einem guten Buch hat man auch mal über. Sie könnte… könnte…  also… Möglichkeiten gibt es viele… während der Mann  fussballkreisrunde Augen bekommt. Was ist denn bloss dran an diesem Sport?!


Ein Mann, der es wissen muss, hat dieses Phänomen mal so richtig gut erklärt:  «An alle Frauen, die Fussball nicht verstehen: Ein Tor für unsere Mannschaft ist, wie wenn DHL euch ein Paket von Zalando bringt.  Ein Gegentor ist, wenn die verdammten Schuhe nicht passen…». Gut,  haben wir das endlich mal geklärt.

Claudia Gysel