Angekommen in Zernez, wurde nicht lange gezögert und sogleich mit den Arbeiten begonnen», sagt Peter Schwarz, Kommandant der Zivilschutzorganisation Hardwald. Diese besteht aus Zivilschützern der Zürcher Gemeinden Bassersdorf, Dietlikon, Kloten, Opfikon und Wallisellen. Voller Tatendrang seien die Arbeitsgruppen instruiert worden und über Funk habe man gemerkt, dass von Anfang an ein emsiges Treiben im Gange war. «Zivilschützer in ihrem Element», meint der Kommandant mit einem gewissen Stolz.


Wichtiges Land für Bauern


Das Wegräumen von Lawinenschuttkegeln geniesst zur Zeit in Zernez im Unterengadin hohe Priorität: Rund 40 Männer der Zivilschutzorganisation Hardwald räumen zusammen mit einheimischen Bauern, den Technischen Betrieben und Schülern von Zernez weg, was von den grossen  Lawinen zu Tal gebracht wurde: Bäume, Steine gross wie Felsen, Erde und Schlamm sowie meterhohe Ansammlungen von Ästen und Baumwurzeln in einem Umfang von mindestens 200 Lastwagenladungen.

Das von Geröll und Schmutz überzogene Land ist eine Einnahmequelle der Bauern. «Auch wenn es sich hier ‹nur› um Heuland handelt, ist dieses für die Bergbauern enorm wichtig», sagt Fadri Guler, Leiter der Technischen Betriebe der Gemeinde Zernez.

Gleich äussert sich auch ein Bauer: «Als ich sah, wie gross die Schäden sind, war ich überzeugt, diesen Sommer nur Holz und Dreck mähen zu dürfen, anstatt gutes Futter für meine Tiere.» Dank dem Einsatz des Zivilschutzes könne er das dringend benötigte Futter nun doch einbringen.

Zusammenarbeit klappt


«Die Zusammenarbeit mit dem zuständigen technischen Leiter der Gemeinde Zernez ist vorbildlich und daher konnten die Beteiligten sicher sein, dass wirklich alles funktioniert», so eine erste Bilanz des Kommandanten Peter Schwarz.

Ausser den Bauern, welche mit Traktoren, Mulden und Ladebrücken aufgefahren sind, hat sich auch die Gemeindeschule von Zernez beteiligt. Die Kinder, ihre Lehrpersonen, die Bauern, aber auch die Zivilschützer vor Ort werden sich noch lange an diesen Einsatz erinnern. Neben der speziellen Erfahrung dürften sie für einige Tage auch die Schwielen und Blasen an den Händen spüren», meint Olivier Schmid von der Zivilschutzorganisation Hardwald.


Sinnvoller Einsatz


Nicht nur die Kinder wurden vom Phänomen Lawine, deren Kraft und Auswirkungen überrascht. Die am 3. Mai in

Zernez  anwesende Klotener Stadträtin und SP-Nationalrätin

Priska Seiler Graf meint dazu: «Die Dimensionen überwältigen mich und ich sehe nun vor Ort, welche Gewalt die Natur ausübt und wie wir alle ihr ausgeliefert sind.»

Auch wenn die Stadt Kloten sich nur marginal an den Kosten für den Zivilschutzeinsatz ihrer Organisation beteiligt, findet sie diesen sinnvoll. «Unsere Zivilschutzleistenden können an einem Einsatz teilnehmen, welcher real und dringend ist. Daher werden sie sicher Erfahrungen mit ins Unterland nehmen, die einmalig sind», sagt sie.

«Dank dem Einsatz des Zivilschutzes Hardwald und noch weiteren, später stattfindenden Einsätzen anderer Zivilschutz-

einheiten aus dem Unterland, können die Bauern aufatmen», so Fadri Guler. «Unsere Augen leuchten, denn ohne die Hilfe von nah und fern würden wir vermutlich in drei Jahren noch unsere Wiesen säubern müssen», betont der Leiter der Technischen Betriebe.

Auch Arnold Denoth, Förster und Lawinenfachmann der Gemeinde Zernez, ist mehr als zufrieden: Die Zusammenarbeit zwischen dem Zivilschutz, den betroffenen Bauern und den Schülern der Gemeinde Zernez sei einwandfrei und eine Bereicherung für alle Betroffenen gewesen. Eine der Lawinen, jene im Gebiet «Vallanzun», sei das letzte Mal im Jahre 1951 niedergegangen. «Mit ihrem diesjährigen Niedergang hat sie deshalb für sehr viel Schaden gesorgt.»

Martina Fontana