Die Situation war fast sinnbildlich, während draussen der Sturm Burglind wie der ruinöse freie Markt tobte, diskutierte man im Stall von Nicole Hälg Guggisberg und Urs Guggisberg in Derendingen SO über Fairen Handel. "Wer Fair Trade hört, denkt zuerst an Bananen und Max Havelaar", sagte SBV-Direktor Jacques Bourgeois vor den Journalisten anlässlich der traditionellen Neujahrsmedienkonferenz.
27'700 Franken mehr Einkommen dank Fairness
Das Erfolgsmodell Banane mit Fair Trade-Label sei aber nicht Standard. Die Agrarprodukte seien weltweit hohem Preisdruck ausgesetzt worunter die Landwirte weltweit und auch hierzulande litten. Deshalb werde Fairer Handel auch für die Schweizer Bauern ein immer wichtigeres Thema, fuhr Bourgeois fort.
Als Beispiel für ein faires Verhältnis zwischen Produzenten und Verarbeitern nannten die SBV-Verantwortlichen dasjenige zwischen Produzenten wie Urs Guggisberg und der Molkerei Lanz in Biberist. Laut Guggisberg erhalte er einen Milchpreis von 7,7 Rappen über dem Schweizer Durchschnitt für Molkereimilch und das beschere ihm das bei einer Milchmenge von 360'000 kg jährlich ein um 27'700 Franken höheres Einkommen.
"Fairer Handel statt Freihandel"
Das Haus müsse so gebaut sein, dass es auch Stürme aushalte, sagte Präsident Markus Ritter. Fairness könnte ein Alleinstellungsmerkmal der Schweizer Landwirtschaft sein. Er erinnerte an die Initiativen FairFood (der grünen Partei) und für Ernährungssouveränität. Gegenvorschläge seien möglich, wenn der Bundesrat derart auf Freihandel fokussiere. "Fairer Handel statt Freihandel" solle die Prämisse sein, so Ritter, dafür brauche es einen Paradigmenwechsel in der Politik.
Den Situationsbericht des SBV finden Sie hier.
akr