Ab 1. Juli 2018 wird für die Bauern das Rekrutieren von Arbeitskräften aufwendiger. Grund dafür: An diesem Datum treten die Regelungen in Kraft, welche auf die Masseneinwanderungs-Initiative zurückgehen, welche die Stimmbevölkerung im Jahr 2014 angenommen hatte. Der Berner Bauernverband (BEBV) hat an seiner heutigen Mitgliederversammlung in Thun die Landwirte informiert, was ab Mitte Jahr auf sie zukommen wird. Der Verband geht aber davon aus, dass offene Stellen für Hilfskräfte wie Erntehelfer neu meldepflichtig sein werden. Konkret bedeutet das: Bauern dürfen solche Stellen nicht einfach wie bis anhin ausschreiben und jemanden anstellen. Stattdessen müssen sie kantonale Institutionen informieren und ihnen Zeit einräumen, um nach geeigneten Personen im Inland Ausschau zu halten.
Bauern müssten deswegen in Zukunft mehr Zeit für das Besetzen einer Stelle vorsehen, mahnte BEBV-Geschäftsführer Andreas Wyss. Es sei mit Mehrkosten und einem höheren administrativen Aufwand zu rechnen. Wyss sieht aber auch positive Punkte: Derzeit sei es schwierig, ausländische Arbeitskräfte zu rekrutieren, weil die Wirtschaft in der EU brumme. Deshalb sei es sinnvoll, wenn das Potenzial an Schweizer Arbeitskräften ausgeschöpft werde, sagte Wyss. Das Projekt sei eine Chance. Der Mehraufwand müsse für die Bauernfamilien aber so gering wie möglich sein, forderte Wyss. Die BEBV hat auf seiner Webseite detaillierte Informationen zur Stellenmeldepflicht aufgeschaltet.
Neue Mitglieder gewonnen
Die statutarischen Geschäfte der Mitgliederversammlung gingen reibungslos über die Bühne. Die Jahresrechnung 2017 schliesst mit einem Minus von knapp 67'000 Franken ab. Der Verlust sei verkraftbar, betonte Geschäftsführer Andreas Wyss, zumal im Vorjahr der Verkauf von Aktien am Milchverarbeiter Cremo einen grösseren Betrag in die Kasse gespült hat. Dennoch lebt der Berner Bauernverband derzeit von den Reserven. Ziel sei es, mittelfristig selbsttragend zu sein, so Wyss. Der Bauernverband will künftig neue Mitglieder gewinnen, ein jährliches Wachstum von 2 Prozent ist das Ziel. Derzeit sind lediglich rund 70 Prozent der Berner Bauern Mitglied des Bauernverbands.
Markus Ritter will kämpfen
Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbands, kritisierte erneut die agrarpolitische Gesamtschau des Bundesrates. Dass die Landesregierung beabsichtige, die Preisdifferenz zum Ausland zu senken, sei für die Bauernfamilien nicht verkraftbar. Die Einkommenssituation sei bereits heute prekär, die Bauern seien auf kostendenkende Produzentenpreise angewiesen, dafür brauche es einen funktionierenden Grenzschutz, betonte Ritter.
Dass die Medien seit Wochen über den Knatsch zwischen ihm und Bundesrat Johann Schneider-Ammann berichten, beeindruckt den CVP-Nationalrat nicht. "Wenn man etwas nicht will, muss man das auch so sagen. Dann braucht man auch nicht an einem runden Tisch zu diskutieren", sagte Ritter kämpferisch. Es sei seine Aufgabe als Bauernpräsident, in stürmischen Zeiten Stärke zu zeigen und sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Erfreut zeigte er sich, dass die Wirtschaftskommission des Nationalrates ihrem Rat beantragt, die Gesamtschau zurückzuweisen.
Neue Gesichter in den Gremien
Die Mitglieder des BEBV haben Annegret Hebeisen-Christen anstelle von Daniel Lehmann in den Kleinen Vorstand gewählt. Zum Fachkommissionspräsident Bildung & Beratung wurde Fred Grunder gewählt. Er ersetzt den abtretenden Thomas Steffen auch als Schulratspräsident vom Inforama. Ronny Köhli wurde zum Präsident der Junglandwirtekommission und Karin Niederhauser in den Grossen Vorstand gewählt.
lid