Um die Agrarpolitische Ausrichtung der Schweiz wird gerade heftig gestritten: Auf der einen Seite steht der Bundesrat, der sehr gerne eine grössere Reform anstossen möchte. Auf der anderen Seite stehen die Bauernvertreter, die von einer grundlegenden Reform nichts wissen wollen. Als der Bundesrat vor etwas mehr als zwei Wochen mit dem Grundlagenpapier zur Ausrichtung der Schweizer Agrarpolitik aufwartete, war dann Feuer im Dach. Der Bauernverband empfahl, das Papier zu schreddern und erwog für einen kurzen Augenblick sogar eine Kundgebung.
Sanftere Töne gewünscht
In der Zwischenzeit hat sich nun noch ein Akteur mit dem Dossier befasst, von dem man wenig hört: die Beratende Kommission für Landwirtschaft (BEKO). Und diese Kommission ist sich einig, «dass die Herausforderungen der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft nur mit einer Koordination aller Akteure erfolgreich bewältigt werden kann.» Das heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Oder, etwas kürzer und prägnanter formuliert: Bauern, Verarbeiter und Händler müssen zusammenarbeiten, wenn sie eine Zukunft haben wollen. Als Grundlage, heisst es in der Meldung weiter, benötige die ganze Branche eine gemeinsame Strategie und einen konstruktiven Dialog, «damit die Land- und Ernährungswirtschaft eine gute Zukunft hat.»
Realistische Zukunftsszenarien entwickeln
Dass die BEKO solche Töne anschlägt, dürfte an der Beurteilung der allgemeinen Situation liegen. So heisst es in der Meldung weiter, dass sich die Land- und Ernährungswirtschaft in den kommenden Jahren noch stärker mit «einschneidenden Veränderungen» arrangieren muss. Zu nennen sind hier Digitalisierung, Fragen der Nachhaltigkeit und den Umgang mit offeneren Grenzen. Die Schweiz verliere derzeit an Wettbewerbskraft. Ausserdem liesse sich in vernetzten Märkten der höhere Preis von Schweizer Produkten je länger je mehr nur noch mit echter Wertschöpfung rechtfertigen.
Zusammenarbeit mit der Verwaltung...
Angesichts dieser Herausforderungen sei es nun dringend, dass die Branchen der Land- und Ernährungswirtschaft in Zusammenarbeit mit der Bundesverwaltung gemeinsame strategische Ziele verfolgen. Zu klären sei, welche Differenzierungsmerkmale die schweizerische Land- und Ernährungswirtschaft im Jahre 2030 entlang der gesamten Wertschöpfungskette auszeichnen sollen. Es könne in ähnlicher Weise vorgegangen werden wie beim Nachhaltigkeitsprogramm «Origin Green», das die irische Nahrungsmittelbranche zusammen mit der Verwaltung aufgebaut hat.
...und mit den Marktakteuren
Die strategischen Ziele der Branche seien mit der Weiterentwicklung der Agrarpolitik zu koordinieren und sollen sich gegenseitig unterstützen. Eine nationale Strategie zur Weiterentwicklung der Land- und Ernährungswirtschaft kann nur gemeinsam mit allen Marktakteuren realisiert werden.
BauZ/pd