Die Delegiertenversammlung der Bio Suisse machte am Mittwochmorgen in Olten ihrem Ruf als diskussionsfreudiges und nicht ganz pflegeleichtes Gremium wieder einmal alle Ehre. An die Kasse kamen diesmal der Vorstand und die Geschäftsstelle in Form einer deftigen Abstimmungsniederlage. Es war so klar, dass gar nicht ausgezählt werden musste.

Markenkommissionen behüten das Eingemachte

Auslöser für die ausführliche Diskussion war ein an sich wenig aufregend tönendes Geschäft, das nicht einmal auf der Traktandenliste stand. Die von Vorstand und Geschäftsstelle geplante Auflösung der Markenkommissionen (MK) für Verarbeitung und Import und die Verlagerung ihrer Kompetenzen in das bestehende Qualitätsgremium der Geschäftsstelle waren Teil des Traktandums Jahresplanung und Budget 2018. Die dritte MK für Anbau, bestetzt mit Bauern, wollte der Vorstand beibehalten.

Die Markenkommissionen beschäftigen sich mit dem "Eingemachten" des Biolandbaus. Wie weit darf man bei Verarbeitung und Importen gehen, um auf der einen Seite die Grundwerte und die Glaubwürdigkeit der Knospe nicht zu gefährden und andererseits die Bedürfnisse des wachsenden Marktes zu befriedigen? Deren Auflösung wollte die Mehrheit nun zumindest vorderhand nicht schlucken.

Sie stimmten einem Antrag von Biofarm zu, der fordert, dass die Markenkommissionen in der bewährten Form weitergeführt werden. Er nimmt das im Verband weit verbreitete Unbehagen auf, wonach die Geschäftsstelle in Basel zu nahe an den Lizenznehmern sei und dass mit der Abschaffung der Markenkommissionen die Unabhängigkeit der Entscheide tangiert wäre.   

Erfolglose Appelle ans "wir"

Zwar appellierten einige Redner ans "wir". Bio Suisse bestehe nicht aus "sie in Basel und wir auf den Betrieben", sagte Tommy Herwig, Landwirt aus dem Jura. Diese Meinung teilten aber offensicht die meisten Delegierten nicht. Damit hatte man auf der Geschäftsstelle offenbar nicht gerechnet. Er haben den Mitgliedern der Markenkommissionen bereits mitgeteilt, dass ihre Dienste nicht mehr benötigt würden, so Geschäftsführer Daniel Bärtschi.

akr