Der Boden ist eine wichtige aber nicht erneuerbare Ressource. Daneben steht die Landwirtschaft immer mehr unter Druck: Die Erzeugnisse sollen von guter Qualität sein und kostengünstig produziert werden. Durch die intensive Bewirtschaftung, die mit immer grösseren und schwereren Maschinen erfolgt, gerät auch der Boden zunehmend unter Druck. Bodenverdichtungen und schlechtere Fruchtbarkeit sind die Folge. Doch Boden ist nicht gleich Boden. Eine besondere Herausforderung stellen die entwässerten Torfböden des Grossen Moos im Berner Seeland dar. Da diese heterogen, also ungleichmässig aufgebaut sind, ist eine nachhaltige Bewirtschaftung umso anspruchsvoller. Die Unterschiede der Bodenbeschaffenheit können sogar auf ein und derselben Parzelle enorm variieren. Dies wurde am «Brennpunkt Boden 2017» in Ins deutlich. An zwei Standorten direkt im Feld standen am Montag und gestern Donnerstag die Beschaffenheit der Böden im Mittelpunkt. Organisiert hatten den Anlass gemeinsam die Hochschule für Agrar- Forst und Lebensmittelwissenschaften (HAFL), das Inforama sowie das Amt für Landwirtschaft und Natur (Lanat). 

Grenze von 0,5 bar

Eine Praxisdemonstration zeigte, dass sich mit tieferem Reifendruck die Verdichtung im Oberboden verringern lässt. Matthias Stettler von der HAFL erklärte die Wichtigkeit, nicht mehr als 0,5 bar Druck auf den Boden zu bringen. Alles was darüber liege, erhöhe die Gefahr von Bodenverdichtungen. Präsentiert wurde auch der Einsatz einer Reifendruckanlage. Die Zukunft sehe so aus, dass überall eine solche Anlage montiert sein werde, ist sich Stettler sicher. Ein Schwachpunkt der Anlage stelle jedoch der Faktor Zeit dar. Damit der Druck für die Strassenfahrt rasch wieder aufgebaut werden kann, wurden Drucktanks am Traktor eingebaut. Um zu erarbeiten, wie gross das Bodenverdichtungsrisiko auf dem eigenen Land ist, leiste das Simulationsmodell Terranimo gute Dienste. Erhältlich sind zwei verschiedene Versionen. Terranimo light für die einfache und schnelle Risikoeinschätzung von Standardsituationen und Terranimo expert für die umfassende Analyse des Verdichtungsrisikos bei spezifischen Bedingungen. Die Anwendung ist durch die beiden Bundesämter für Landwirtschaft und für Umwelt genehmigt, ist der Website des Programms zu entnehmen.

Stabilisieren gehört dazu

In einem weiteren Praxisversuch wurden Möglichkeiten gezeigt, maschinell bereits bestehende Verdichtungen zu lockern. «Das Wasser muss die Möglichkeit haben, durch den Lehm zu dringen und in die tieferen Böden durchzudringen», erklärte Bernhard Streit, HAFL. Egal für welche Massnahme sich ein Landwirt entscheide, zwei Dinge seien enorm wichtig: Vorgängig den Boden genau analysieren, um die richtige Variante zu wählen. Und: «Wenn man lockert, muss man stabilisieren.» Ansonsten sei eine noch grössere Verdichtung die Folge. Eine Stabilisierung kann mittels Gründüngung auch bereits vor der Tiefenlockerung erfolgen, erklärte er. 

Runder statt eckiger Sand

Ein grosses Problem haben die entwässerten Torfböden im Grossen Moos. Sie bestehen aus unterschiedlichen organischen und mineralischen Schichten. Durch die Entwässerung und Nutzung sacken sie in sich zusammen. Bereits wurden diverse Bodenaufwertungsmassnahmen punktuell eingesetzt. «Eine Erfolgskontrolle zeigt, dass für eine dauernde landwirtschaftliche Nutzung die Massnahmen Tiefpflügen oder Durchmischen, Übersanden oder Überschütten, Planieren, Drainieren als Einzelmassnahmen oder kombiniert standortangepasst durchzuführen sind, heisst es im Bodenbericht 2017 der Volkswirtschaftsdirektion. Beim Übersanden sei wichtig, nicht eckigen Sand, sondern abgerundeten zu verwenden. Dieser sei durchlässiger, war in Ins zu erfahren. Wolfgang G. Sturny, Leiter Fachstelle Bodenschutz, betonte: «Wir brauchen Bodeninformationen, um etwas Dauerhaftes für unsere Nachkommen zu erhalten. Doch an diesen Informationen mangelt es noch. Und nicht alles Aufwertungsmaterial gehöre aufs Kulturland, sondern eher in die Deponie.

Andrea Wyss

Weitere Informationen: www.terranimo.ch