Südafrika ist der wichtigste Lebensmittelproduzent aller afrikanischen Länder und der einzige Nettoexporteur von Lebensmitteln des Kontinents. Nico van Burick, Chefredaktor und Delegierter des südafrikanischen Agrarjournalistenverbands, fordert, dass Afrika die Lebensmittelproduktion selber in die Hand nimmt und den Kontinent ernährt. Wenn die Welt im Jahre 2050 neun Milliarden Menschen ernähren müsse, dann müsste Afrika die Lebensmittelproduktion um 70 Prozent erhöhen. Van Burick ist überzeugt, dass die über 2'000 südafrikanischen Grossbauern, die bereits heute in rund 40 afrikanischen Ländern aktiv sind, massgeblich dazu beitragen können. Entscheidend dabei sei aber ein politisch und wirtschaftlich einigermassen stabiles Umfeld.

Eigene Ressourcen besser nutzen

Die Selbstversorgung des schwarzen Kontinents mit Lebensmitteln zu steigern sei möglich, denn in Afrika lägen viele Ressourcen brach, darunter ungenutzte oder nicht optimal bebaute Flächen und viele Arbeitskräfte, so van Burick. Damit die Entwicklung in diese Richtung ginge, bräuchte es dringend Investitionen in Südafrika und ganz Afrika, besonders in der Landwirtschaft. Tatsächlich geschieht aber gegenwärtig wenig, da die Politik des korrupten Regierungschefs Jacob Zuma und einigen seiner Kollegen in andern Ländern die Finanzwelt und die Wirtschaft verunsichert.

Niedergang der Produktion wie in Simbabwe vermeiden

Bei einer Diskussionsrunde zur Ernährungssicherheit im Herbst 2017 im Entlebuch fragte Denene Erasmus, die leitende Redaktorin der südafrikanischen Wochenzeitschrift Farmers Weekly, ob die korrupte Regierung unter Präsident Jacob Zuma soweit gehen werde, um an der Macht zu bleiben, wie einst der nun abgetretene Diktator Robert Mugabe im benachbarten Simbabwe.

Dieses Land war bis zum Jahr 2000 der grösste Nettoexporteur von Lebensmitteln in Afrika, heute hungert die Bevölkerung, weil die einst produktiven Grossbetriebe enteignet und an unfähige Parteifreunde verteilt wurden. Wenn die Regierung in Südafrika damit beginnen würde, Land im grösseren Stil an die verarmten Massen zu verteilen, um ihre Gunst als Wähler zu sichern, dann stehe die Lebensmittelsicherheit Südafrikas auf dem Spiel - wie im Nachbarland. Erasmus fragte: "Wird die grösste Partei, der Afrikanische Nationalkongress ANC, die Lebensmittelversorgung des Landes für den Machterhalt der Partei opfern?" Die Unruhe unter den grossen Farmern in Südafrika wegen der Landfrage und der wachsenden Kriminalität ist gross und sie wächst weiter an.

Agrarunternehmen suchen stabile Rahmenbedingungen

Gerade weil die Unsicherheit im Land gross ist, sind viele südafrikanische Agribusiness-Unternehmen daran interessiert, ihre Aktivitäten in andere Länder des Kontinents auszudehnen. Sie achten besonders darauf, stabile Investitionsumgebungen zu finden. Eine Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC) mit dem Titel "Africa Agribusiness Insights 2017/2018" ergab, dass CEOs und Eigentümer solcher Agrarunternehmen "ineffiziente und bürokratische Regierungen sowie Korruption, Kriminalität und Diebstahl" als die wichtigsten Bedrohungen für den Ausbau ihrer Geschäftstätigkeit auf dem Kontinent ansahen.

"Unzureichende Infrastruktur und politische Instabilität sind weitere Sorgen. Afrika verfügt über konkurrenzlose Möglichkeiten im Agrarsektor, wenn die politischen Entscheidungsträger einige dieser Herausforderungen überwinden können ", sagte PwC zu den Ergebnissen der Umfrage gegenüber Lloyd Phillips von der Zeitschrift Farm Journal.

Vertreter von Astral Foods (Astral), einer integrierten Geflügelproduktionsgesellschaft im südlichen Afrika, äußerten ähnliche Ansichten: "Wenn wir uns Investitionsmöglichkeiten in anderen afrikanischen Ländern anschauen, betrachten wir zunächst, welche Risiken bestehen, wie politische Risiken und makroökonomische Faktoren. Ein Geflügelgeschäft wie das unsere hat zusätzliche Risiken, da es Zugang zu Rohstoffen benötigt und erhebliche Investitionen in die Infrastruktur tätigen muss ", erklärte Gary Arnold, Direktor von Astrals Landwirtschaftsbereich.

Die PwC-Umfrage ergab zudem, dass auf der Grundlage von Interviews mit Landwirtschaftsverantwortlichen in ganz Afrika die fünf wichtigsten Länder, die derzeit für potenzielle Investitionen bevorzugt werden, Angola, Botswana, Äthiopien, Malawi und Namibia sind.

Markus Rediger, lid