Die ersten Panflöten-Klänge machen jede Ermahnung zur Ruhe überflüssig, andächtige Ruhe breitet sich im festlich dekorierten Saal aus. Nur das Licht der Kerzen flackert leicht und über die Gesichter huscht ein Lächeln. Die Luzerner Bäuerinnen – rund 300 an der Zahl – gönnten sich einen Nachmittag unter Ihresgleichen und begaben sich in vorweihnächtlich-besinnliche Stimmung.
Miss Schweiz und Kartoffeln
Die Adventsfeier des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes wartete vergangene Woche mit einem Referat des Surseer Diakons Marcel Bregenzer auf. Das Thema "Entrümpelungsaktion in meinem Denken" weckte die Neugier der anwesenden Frauen. Bregenzer, der gleich zu Beginn seine frühere Tätigkeit als Bauer hervor strich, erreichte die Zuhörerinnen mit seiner lockeren, humorvollen Art. Gekonnt zog er Vergleiche zum täglichen Leben, zur Landwirtschaft und Gesellschaft, aber auch zum christlichen Glauben. Die Lacher waren ihm gewiss, wenn er zum Beispiel das gängige Schönheitsideal – schlank und braun – mit demjenigen vor einigen Jahrhunderten – füllig und bleich – verglich. "Das erinnert mich ans Kartoffeln sortieren, wer nicht in die Schablone passt, gehört zur zweiten Klasse."
Gespeichertes bereinigen
Bregenzer bezeichnete das menschliche Hirn als Datenspeicher. Die Schwierigkeit besteht darin, die Wahrheit von den ebenfalls gespeicherten Irrtümern zu unterscheiden und diese zu bereinigen. Dabei gelte keineswegs das Gesetz: "Je älter, desto 'wahr'". Irrtümer könnten sich durchaus über Jahrzehnte halten. Der Referent betonte gleich darauf, dass Wahrheit immer auch subjektiv sei und meist nur ein Teil vom Ganzen. "Der grösste Irrtum ist, wenn ich meine, nur mein eigenes Denken sei normal", stimmte er die Zuhörerinnen nachdenklich. Einfach mal den Blickwinkel ändern und das eigene Denken hinterfragen, dafür lieferte Bregenzer handfeste Tipps für den Alltag. Man solle in jedem Menschen das Gute suchen – "auch wenn man manchmal sehr lange suchen muss." Man dürfe die Augen auch mal etwas zukneifen, empfahl der Theologe, "und plötzlich entdeckt man im Gegenüber Perlen und Kostbarkeiten." Jede entscheide schliesslich selber, wo sie hinschaue und wie sie das Gesehene interpretiere, erinnerte er die Bäuerinnen. Doch nicht nur bei den Mitmenschen lohnt sich ein Überprüfen der Gedanken.
Aufgabe für den Alltag
"Wer sagt sich schon beim Blick in den Spiegel: Ich bin ein Prachtexemplar?" Gelächter im Saal zeigte, wie viele Bäuerinnen sich in dieser Situation selber erkannten. "Schönheit ist, was wir im Herzen haben", relativierte Bregenzer, "Güte, Freude, Geduld, Freundlichkeit." Und dies zeige sich gar nicht an den Falten, sondern viel eher im Leuchten der Augen. Zum Umgang mit negativen Gedanken oder Irrtümern empfahl der Diakon, diese bewusst zuzulassen statt verdrängen. Nur so können sie anschliessend durch die Wahrheit ersetzt werden. Und schliesslich solle man darauf vertrauen, dass eines Tages aufgehen wird, was man gesät hat.
Kantonsratspräsidentin Vroni Thalmann doppelte in ihrem Grusswort gleich nach und überbrachte positive Meldungen aus ihrer bisherigen Amtszeit. "Bleibt so natürlich wie möglich und lebt, wie Ihr das richtig findet", riet sie den Bäuerinnen zum Abschluss.
ag