Wer heute ein Rindsfilet kauft, erfährt kaum etwas über das zugrunde liegende Tier. Auf der Packung ist meist nur das Herkunftsland angegeben. Geht es nach Samuel Bühlmann, soll sich das ändern, wie das «St. Galler Tagblatt» berichtet. Der 32-jährige Fleischvermarkter, der in Teilzeit bei BauernZeitung Online tätig ist, hat die App Meatstory entwickelt, welche die Lebensgeschichte des Tieres wiedergibt. Gibt der Konsument die auf die Packung gedruckte Nummer in sein Mobiltelefon ein, erscheint etwa diese Meldung auf dem Bildschirm: «Melanzane ist ein Angus und ist am 6. Dezember 2015 zur Welt gekommen. Nach der Geburt bei der Familie Bühlmann-Blaser in Schwanden im Emmental ging die Reise nach Wimmis, Schwanden im Emmental, Sörenberg und Schwanden im Emmental.»
Geringer Aufwand für Datenerhebung
Bühlmann sieht in der erhöhten Transparenz eine grosse Chance für die Schweizer Landwirtschaft. «Wir haben hierzulande eine hochwertige Fleischproduktion, doch der Konsument sieht viel zu wenig davon», sagt er zum «St. Galler Tagblatt». Der Aufwand für die Datenerhebung sei gering, denn jeder Bauer müsse die Angaben in der Tierdatenbank sowieso machen, wenn er Direktzahlungen erhalten wolle. Bühlmann bereitet diese Daten konsumentenfreundlich auf. Gegenwärtig versucht er herauszufinden, welche zusätzlichen Informationen die Konsumenten wünschen.
Bundesamt unterstützt Rückverfolgung
Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat gemäss dem Bericht des «St. Galler Tagblatt» kürzlich entschieden, die Weiterentwicklung der App im Rahmen der Innovations-Initiative «Agriqnet» mit 10 000 Franken zu unterstützen. Die Behörden sehen in der Rückverfolgbarkeit eine Chance, die Qualität von Schweizer Produkten herauszustreichen. «Je mehr ein Konsument über ein Produkt weiss, desto besser versteht er auch, wieso ein Schweizer Fleischstück teurer ist als ein importiertes», wird Martin Weber, der beim BLW für den Fachbereich Qualitäts- und Absatzförderung verantwortlich ist, im Zeitungsartikel zitiert.
Markus Ritter: «Wir haben nichts zu verstecken»
Der Bauernverband sieht in der zusätzlichen Transparenz ebenfalls Potenzial für die Landwirtschaft. «Die Rückverfolgbarkeit ist extrem wichtig», sagt Präsident und CVP-Nationalrat Markus Ritter zum «St. Galler Tagblatt». Die Konsumenten wollten wissen, wo das Fleisch herkomme, sagt er. «Glaubwürdigkeit ist gerade beim Fleisch das A und O.» Der Bauernverband unterstütze eine Stärkung der Deklaration, «denn wir haben nichts zu verstecken». Migros und Coop versichern beide, dass die Herkunft und die Rückverfolgbarkeit einen grossen Stellenwert einnähmen. So sei auf der Packung gewisser Poulets bereits heute ersichtlich, von welchem Hof die Tiere stammten. Beim Rind gestalte sich die Sache allerdings schwieriger, weil von ihm verschiedene Fleischstücke stammten, die unterschiedlich verarbeitet würden. «Wenn wir die Tiere getrennt verarbeiten würden, würde dies den Produktionsablauf deutlich verlangsamen», wird Coop-Sprecher Ramon Gander im «St. Galler Tagblatt» zitiert. Entsprechend höher wären die Kosten.
BauZ