2017 war kein einfaches Jahr für den Pflanzenbau. Frosttage im Frühling forderten so manche Kultur heraus, weshalb mit Einbussen zu rechnen war. Umso überraschender fielen dann jedoch die Ernteerträge aus.
Getreide
Für den Getreidebau war es sogar ein ausserordentlich gutes Jahr. Die Getreidemengen fielen sehr hoch aus. Auch die Qualität war gut, sowohl in Bezug auf Hektolitergewichte, Fallzahlen und Proteingehalte. Die Mykotoxin-Belastung war tief, was auf die Hitzeperioden Mitte Juni bis Anfang Juli zurückzuführen ist. Nur Kleinstmengen mussten wegen Qualitätsproblemen zu Futtergetreide deklassiert werden. Diese Ausnahmesituation führte zu einer Überversorgung des Marktes.
Ausblick Brotgetreide: Beim Brotweizen wird eine Aufteilung der Produktion auf die Klassen von 40% Top, 40% Klasse I und 20% Klasse II angestrebt. Klasse II bietet Absatzchancen. Swiss Granum empfiehlt daher für 2018:
- Region West-CH: Anteil Top und Klasse I beibehalten, Klasse II erhöhen.
- Region Mitte-CH: Anteil Top erhöhen, Klasse I reduzieren, Klasse II beibehalten.
- Region Ost-CH: Anteil Top erhöhen, Klasse I reduzieren, Klasse II beibehalten.
- IP-Suisse: Top-Q erhöhen resp. beibehalten, Top reduzieren, Klasse I und II erhöhen.
- Bio Suisse: Ausschliesslich Anbau von Top-Sorten gemäss Sortenliste FiBL. Die Produktion von Roggen, Dinkel und Biskuitweizen soll in Absprache mit den Abnehmern erfolgen.
Der Richtpreis für Brotgetreide wird voraussichtlich am 28. Juni 2018 festgelegt.
Ausblick Futtermittelrohstoffe: Swiss Granum empfiehlt die Anbaufläche von Futterweizen, Körnermais und Eiweisserbsen auszudehnen, um die Auslandsabhängigkeit reduzieren zu können. Die Anbauflächen von Gerste können beibehalten werden, für Triticale wird empfohlen, zu reduzieren. Mühlennachprodukte werden ab 2018 in die Grundfutterliste im Programm zur graslandbasierten Milch- und Fleischproduktion (GMF) aufgenommen. Der Richtpreis für Futtergetreide wird voraussichtlich am 9. März 2018 festgelegt.
Ölsaaten
Die Rapserträge lagen über dem Vorjahresniveau. Die Anbauflächen von Sonnenblumen stiegen 2017 wieder leicht an.
Ausblick Raps: Aufgrund steigender Nachfrage für Holl-Raps, kann die Anbaufläche ausgedehnt werden, empfiehlt Swiss Granum. Es bestehe jedoch keine weitere Abnahmegarantie, sollten Mengen ausserhalb der Zuteilung produziert werden.
Ausblick Sonnenblumen: Die Gesamtzielmenge wird aktuell noch nicht ausgeschöpft, daher besteht noch Potenzial für zusätzliche Mengen.
Kartoffeln
Die Kartoffeln konnten dieses Jahr bei guten Witterungs- und Bodenbedingungen gepflanzt werden. Die Kartoffelerträge lagen höher als in den beiden vorherigen Jahren. Die Qualitäten waren gut und die Kaliber gross, was zu einem Mangel an Kleinkalibern führte. Im Vergleich zum Vorjahr war mehr Buckel- und Pulverschorf zu verzeichnen.
Ausblick: Das Frühkartoffelkonzept 2018 bleibt zu den Vorjahren unverändert. Der Schwerpunkt liegt auf einer möglichst frühen Marktversorgung mit vorwiegend schalenfesten Kartoffeln. Um das zu erreichen, sollen in den frühen Gebieten auch frühreife Kartoffelsorten angebaut werden. Als Spezialität empfiehlt die Branche die schalenlosen Frühkartoffeln der Sorten Lady Christl und Agata. Zudem sollen die Anbauflächen 2018 reduziert werden, um Übermengen zu vermeiden.
Die Sorte Ivory Russet wird in die Sortenliste 2018 aufgenommen. Änderungen bei der Übernahme von Verarbeitungskartoffeln der Sorte Agria werden für die Ernte 2018 weitergeführt. Dies nach wie vor mit dem Ziel, möglichst viel Rohstoff zu verwerten und um dem einheimischen Agria-Anbau wieder zu mehr Attraktivität zu verhelfen. Der Fokus liegt jedoch nach wie vor auf der Suche nach einer Ersatzsorte, die sowohl die Anforderungen der Verarbeiter, als auch der Produzenten zu erfüllen vermag.
Zuckerrüben
2017 war ein gutes Jahr für die Zuckerrübenernte. Die Zucker-lager konnten wieder gefüllt werden. Zwar setzten Spätfröste sowie ein hoher Cercospora-Befall den Rübenbeständen regional zu, die Zuckererträge lagen aber mit über 12 Tonnen pro Hektare auf einem ähnlich hohen Niveau wie 2012. Mit Aufhebung von Zuckerquote und Exportlimite in der EU Ende September steht der Zuckerrübenanbau in der Schweiz weiterhin massiv unter Druck.
Ausblick: Die Schweizer Zucker AG (SZU) konnte ihr Ziel für 2018 mit 20 000 Hektaren Anbaufläche nicht erreichen. Etwa 1000 Hektaren würden für eine ausreichende Zuckerversorgung noch fehlen. Im kommenden Jahr ist daher ein Import ähnlicher Grössenordnung wie 2017 mit rund 90 000 Tonnen konventioneller Rüben aus Deutschland vorgesehen. Die SZU ruft deshalb die Pflanzer auf, den Rübenanbau weiterzuführen und die Flächen, wenn möglich sogar auszudehnen. Dies mit dem Ziel den Marktanteil gegenüber den billigen Importen zu verteidigen.
Die Rübenpreise werden wegen der tiefen Zuckerpreise unverändert auf dem aktuellen Niveau bleiben. Der Einzelkulturbeitrag von Fr. 1800.– pro Hektare Anbaufläche bleibt ebenfalls unverändert.
Der Bahntransport der Zuckerrüben wird ab 2018 für vorerst drei Jahre nicht mehr durch SBB Cargo, sondern durch die privaten Schweizer Unternehmen Sersa Group (Westschweiz) und Swiss Rail Traffic (Ostschweiz) abgewickelt. Damit will die SZU bedeutende Einsparungen realisieren. Wie hoch die Einsparungen sind und wie sich diese auf den Rübenpreis auswirken, ist unklar. Das könne man erst nach der Ernte 2018 beziffern. Im Biorübenanbau wird die IP-Suisse wie schon 2017 Verträge von über 5000 Tonnen Zucker abschliessen.
Katrin Erfurt