Vor einer Woche haben die Schweinezüchter Post von ihrem Produzentenverband Suisseporcs bekommen. Nochmals wurde auf den drohenden Jager-Überschuss und die logischen Konsequenzen ab Sommer 2018 hingewiesen. Einerseits liegt die Produktion bereits bei "courant normal" ein wenig – Branchenkenner reden von fünf Prozent - über dem, was den Produzenten eigentlich viel bessere Preise ermöglichen würde.

Nun kommt hinzu, dass wegen Tierschutzverschärfungen in Schweinemastställen (mehr Platz, weniger Spalten) einige Mäster die Produktion spätestens im kommenden Spätsommer aufgeben werden. Rund 60 000 Mastplätze werden deshalb fehlen, haben Schweinehandelsvereinigung und Suisseporcs aufgrund von Befragungen an der Basis berechnet.

Munter weiter produziert

Würden die Mastferkelproduzenten bis Ende Jahr ein paar Sauen – die Rede ist von 7500 insgesamt – mehr ausmerzen, gäbe es einerseits für die Branche keine negativen Schlagzeilen (überbelegte Ställe, wohin mit den Jagern?) und anderseits bessere Preise, zumindest nicht noch schlechtere als aktuell. Ganz im Gegensatz zu anderen landwirtschaftlichen Produkten hat im Schweinemarkt das Angebot noch immer einen direkten Einfluss auf den Preis. Stand heute geht man davon aus, dass die Produktion noch kaum gedrosselt wurde. Es werden noch reichlich Sauen besamt und es landen auch nicht mehr Moren auf der Schlachtbank, ist zu hören.

Die Zeit drängt: Bei einem Produktionszyklus von rund 42 Wochen von der Belegung bis zur Schlachtung, muss noch im alten Jahr gehandelt werden. Mäster, die den Tierschutz ab September 2018 nicht mehr erfüllen und bis dann nicht baulich anpassen, werden im Mai zum letzten Mal Jager beziehen.

Mehr als ins Gewissen Reden und Schreiben kann die Suisseporcs den Schweizer Mastferkelproduzenten nicht. Sie handelt keine Schweine. Die BauernZeitung hat deshalb bei drei in der Region Zentralschweiz bedeutenden Schweinevermarktern nachgefragt, wie sie mit der Situation umgehen.

Noch einige Fragezeichen

Bereits länger würden die Mastferkelproduzenten der Anicom auf September 2018 und mögliche Folgen sensibilisiert, sagt dazu Christian Probst, Geschäftsleitungsmitglied. «Im Zusammenhang mit dem Vollspaltenverbot gehen verhältnismässig wenige Mastplätze verloren», sagt Probst auf seine Kunden bezogen. Dies, weil die Organisation einen hohen Anteil an Labelschweinen vermarkte. 

Agrifera-Geschäftsführer Xaver Fleischlin steht voll hinter den von der Suisseporcs gemachten Aufrufen und den geschätzten Zahlen. «Bis Ende Jahr müssen 7500 Moren aus der Produktion», sagt er: «Ansonsten gibt es im kommenden Jahr ein Fiasko». Auch bei der Hügi Schweinevermarktung in Nebikon gehen «einige» Mastplätze verloren, berichtet der für den Handel verantwortliche Beat Wandeler. Er führt schon länger Buch darüber und beziffert den Verlust mit rund sieben bis acht Prozent. 

aem

Ausführlicher Bericht in der BauernZeitung Zentralschweiz und Aargau vom 10. November.