Die Ausbildung am Plantahof abgeschlossen, einen Sommer lang auf der Alp gearbeitet und dann, mit nur 19 Jahren, den Hof der Grosseltern mütterlicherseits übernommen. Die Frage drängt sich auf: Erfolgte diese Hofübergabe nicht etwas gar früh? «Überhaupt nicht. Das passte», sagt Thomas Hefti. Von den Kindern seiner Grosseltern habe keines den Hof übernehmen wollen. Da sei er eingesprungen. Und in der Zwischenzeit hat auch sein jüngerer Bruder, der ebenfalls Bauer werden wollte, den elterlichen Hof übernehmen können. «Da hat alles bestens zusammengespielt», sagt Thomas Hefti. Inzwischen ist er 29 Jahre alt, verheiratet mit Heidi Hefti-Landolt und Vater vom 9 Jahre alten Thomas, dem zwei Jahre jüngeren Jürg und der sechsjährigen Sonja.
Bauer als Berufswunsch
Aufgewachsen ist Thomas Heftiim glarnerischen Mitlödi. «Schon als kleiner Bub habe ich Bauer werden wollen», sagt er. Für ihn habe sich nie die Frage gestellt, einen anderen Beruf zu erlernen. Dass er Biobauer werden würde, stand für Thomas Hefti ebenfalls schon früh fest. Er kennt nichts Anderes. Sein Vater gehörte im Jahr 1995 zu den ersten, die auf Bio umstellten. Und der Sohn hat die Bio-Leitlininen verinnerlicht: «Weder Kraftfutter noch Kunstdünger, keine Spritzmittel. Antibiotika nur, wenn es nicht anders geht», fasst Thomas Hefti zusammen. Auch nach der Betriebsübernahme konnte er sich an diese Regeln halten. Noch vor der Übergabe hatte sein Grossvater den Hof Reitimatt auf Bio umgestellt.
Zuhinterst im Glarnerland
Der Hof Reitimatt der Familie Hefti liegt zuhinterst im Glarnerland, etwas oberhalb der Ortschaft Linthal, fast beim Talabschluss. Bei unserem Besuch wirkt der Hof ziemlich verlassen – nur der Hofhund bellt den unbekannten Besucher etwas an. Sonst weit und breit keine Bauernhoftiere. Heftis gesamter Bestand an Nutztieren befindet sich gegenwärtig auf den Weiden der Alp Guetbächi. Der Unterstafel befindet sich in Sichtweite des Hofes.
Bewirtschaftet wird die Alp zur Hauptsache von Hannes Hefti, dem jüngeren Bruder von Thomas. Zusammen mit seiner Familie verbringt dieser den ganzen Sommer auf der Alp. Wann immer es nötig ist, packen aber auch Thomas und Heidi Hefti auf der Alp zu. Auf dieser befinden sich gegenwärtig auch die rund 25 Originalbraunviehkühe mitsamt dem OB-Zuchtstier, die im Winterhalbjahr im Laufstall von Thomas Hefti stehen – und bei diesem handelt es sich um eines der grösseren Projekte, die Hefti nach der Hofübernahme realisiert hat.
Kühe mit Hörnern
Dass der 1975 erbaute Stall seines Grossvaters die Tierschutznormen schon bald einmal nicht mehr erfüllen würde, war bei der Betriebsübernahme abzusehen. Nicht aber, dass die Bewilligung für den Stallneubau mit dem Bau eines Lawinenschutz-Dammes verknüpft würde. Dieser konnte nach umfangreichen Erdbewegungen erstellt werden und der Stall, der die Normen von BTS und Raus erfüllt, wurde im Jahr 2010 bezogen. Die Zugänge ins Freie und auf die Weide sind den Tieren stets offen.
Thomas Heftis Kühe tragen Hörner. Das ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. Aber nicht nur deshalb hat er seinen Stall grösser dimensioniert, als dies die Mindestnormen verlangen. «Ob mit oder ohne Hörner: Wer beim Bau eines Laufstalls nur die Mindestmasse einhält, spart am falschen Ort», konstatiert er. «Die Kühe haben zu wenig Platz». Thomas Hefti setzt aus verschiedenen Gründen auf OB-Kühe. Es sind Zweinutzungstiere mit einer robusten Gesundheit. Sie sind alp- und weidegängig und zu alledem noch gute Raufutterverwerter. «Eine problemlose Kuh für unsere Region», fasst er zusammen. Die Milchleistung seiner Kühe bewegt sich je nach Futterqualität zwischen 5000 und 5500 Kilogramm pro Jahr.
Nutzfläche vergrössert
Während des Sommerhalbjahrs verkäst Thomas Heftis Bruder die Milch zu Alpkäse. Die im Winter gemolkene Milch wird vom Biomilch-Pool abgenommen. Für seine Tränkekälber, die über den Bio-Weidebeef-Kanal in den Verkauf gelangen, kann Hefti einen guten Preis lösen.
Mit dem Zukauf von 10 Hektaren hat Thomas Hefti die landwirtschaftliche Nutzfläche seines Betriebes auf 25 Hektaren vergrössert. Weil es sich um eine stark verwachsene und verunkrautete Wiese an einer Steillage handelte, konnte er dieses Land zu einem günstigen Preis erwerben. Mit konstanter Pflege und regelmässigem Mähen ist er gegenwärtig daran, die Qualität dieses Wieslands zu verbessern – dies bedeutet einen grossen Aufwand, bringt aber Erfolge, wie Fotos aus dem Familienalbum zeigen.
Übernimmt Lohnarbeiten
Im Winterhalbjahr ist Thomas Hefti am frühen Morgen und am Abend mit den Arbeiten im Stall beschäftigt. Tagsüber ist er frei, etwa für den kommunalen Winterdienst oder für Arbeiten im Wald. Im Sommer fällt die Arbeit im Stall weg. Aber auf der Alp Guetbächi gibt es immer etwas zu tun. Und im Tal muss das Heu eingebracht und der Mist auf die Wiesen gebracht werden. Diese Arbeiten verrichtet Thomas Hefti nicht nur für den eigenen Betrieb, sondern als «Springer» für Dritte. Hefti hat im Laufe der Jahre den Maschinenpark seines Betriebs modernisiert und aufgestockt, so dass er inzwischen auch Lohnarbeiten übernehmen kann. Er beurteilt die Situation seines Betriebes positiv. Der Stall sei in einem guten Zustand. Auch die Maschinen. Die Tiere seien gesund, verursachten nicht übermässig Arbeit und passten auf den Betrieb. «Wir haben das Nötige unternommen und uns so organisiert, dass alles funktioniert», stellt er nüchtern fest. Zu dieser positiven Bilanz hat aber auch wesentlich seine Frau Heidi Hefti-Landolt beigetragen. Ohne sie ginge es nicht. Das sieht auch Thomas Hefti so.
Zuständig für Direktverkauf
Die gelernte Logistik-Assistentin Heidi Hefti-Landolt – «du kannst auch Pöstlerin schreiben», meint sie im Gespräch – ist ebenfalls im Kanton Glarus aufgewachsen, auf einem Bauernhof auf dem Näfelser Berg. Sie kümmert sich um die drei Kinder, hält den Haushalt im Schuss. Sie kann auch mal die Arbeit im Stall erledigen, wenn ihr Mann ausser Haus beschäftigt ist. Sie stellt im neu erstellten Verarbeitungsraum im Winterhalbjahr Früchtequark her, der im Dorf sehr gefragt ist. Sie organisiert den Direktverkauf. Und wenn im Winter die Sonnenstrahlen nur während eineinhalb Stunden bis zum Hof Reitimatt vordringen, dann versucht sie das positiv zu sehen. »Daran habe ich mich gewöhnt», sagt sie. «Ich geniesse es dafür umso mehr, wenn die Sonne wieder scheint», lautet ihre Devise.
Christian Weber