Seit 2010 ist die Mehlschwalbe auf der Roten Liste als potenziell gefährdet geführt. Die Rauchschwalbe hat seit den 1990er-Jahren auch abgenommen, ihre Bestände sind jedoch im Moment eher stabil, so Stephanie Michler von Bird Life Schweiz. Die modernen Laufställe sind für sie jedoch zu zugig. Das Hauptproblem der Mehlschwalbe ist, dass sich immer mehr Hausbesitzer an der Verkotung der Fassaden durch die Vögel stören.

Bei einer Mehlschwalben-Volkszählung, von der schweizerische Vogelwarte zwischen 2012 und 2014 durchgeführt, wurde festgestellt, dass sich fast 40% aller Nistplätze an landwirtschaftlichen Gebäuden befinden. Die Standorte wurden in einer Datenbank erfasst und kartiert. In Ställen, Scheunen und unter Vordächern finden die Vögel ideale Nistplätze. Die Bauern schätzen die gefiederten Mitbewohner, da sie auf Insekten- und Fliegenfang gehen.

Geschützt per Gesetz

Schwalbennester sind in der Brutzeit per Jagdgesetz geschützt. Ausserhalb der Brutzeit ist der Schutz nicht genau geregelt, die Kantone sind da zuständig. Der Kanton Thurgau hat die Schwalbennester seit 2017 über die Natur- und Heimatschutzverordnung unter Schutz gestellt. Muss doch einmal ein Schwalbennest weichen – wegen Abbruch oder Umbau – sollten laut der Schwalbenexpertin die Arbeiten ausserhalb der Brutzeit durchgeführt werden und frühzeitig Alternativen zur Verfügung stehen. 

Auf die Frage, ob der Schwalbenschutz in der Ausbildung oder Beratung besonders berücksichtigt würden, meint Stephanie Michler: «Generell eher wenig. Es sind meist einzelne Landwirte, die persönlich Freude an den Vögeln haben.» Einer von ihnen ist Jürg Wirth, Landwirt aus Lavin GR. Er hat in seiner Funktion als Regionalkoordinator der Vogelwarte Sempach Massnahmen ergriffen gegen den Mehlschwalbenschwund. Im Frühjahr 2014 wurden 30 Kunstnester im Dorf aufgehängt und ein Schwalben-Lehrpfad im Dorf initiiert (siehe Kasten).

Fördermassnahmen

Im Vernetzungsprojekt Luzern-Littau wird die Schwalbenförderung aktiv betrieben. Nebst dem Aufhängen von Nisthilfen werden Tümpel als Lehmstellen angelegt, damit die Vögel Material für den Nestbau vorfinden. Extensivierte Flächen und Hecken sind ebenfalls idealer Lebensraum für die Insektenjagd.

Weiter können zur Schwalbenförderung Kunstnester montiert werden. Diese werden teilweise in den regionalen Landis verkauft oder können bei der Vogelwarte bezogen werden. Auch kleine Stützbrettchen an den Balken angebracht sind eine einfache aber wirksame Massnahme, die das Herunterfallen von Naturnestern verhindert. Ein grosser Schritt im Schwalbenschutz wäre es, bei Neubauten von Ställen direkt Nistplätze für Schwalben einzuplanen, meint Stephanie Michler.

Esther Thalmann

Weitere Informationen liefern Merkblätter von Bird Life Schweiz und der Vogelwarte Sempach.