«Wir hatten wirklich ein starkes zweites Halbjahr.» Mit diesen Worten kommentierte CEO Urs Riedener am Montag das Emmi-Jahresergebnis 2017. Tatsächlich liegen der Umsatz, das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA), der Reingewinn und die anderen Kennzahlen über dem Ergebnis von 2016.
Umsatz und Gewinn steigen
So hat der Luzerner Branchenprimus 2017 insgesamt 3,36 Mia Franken Umsatz (+3,2%; Vorjahr 3,26 Mia), einen EBITDA von 340 Mio Franken (Vorjahr 328 Mio) und einen Reingewinn von 162 Mio Franken (+15,1 Prozent; Vorjahr 140 Mio) erzielt.
Den Hauptgrund für die Steigerung des Reingewinns sieht Emmi in der vollständigen Übernahme der Mittelland Molkerei im aargauischen Suhr im Juli 2016. Davor hatte Emmi 60 Prozent an der Molkerei besessen. Insgesamt hätten sich die Minderheitsanteile bei Emmi um 10,8 Millionen Franken verringert.
Die guten Zahlen sind gemäss Urs Riedender insbesondere der guten Entwicklung in den Märkten USA und Tunesien, sowie dem gut laufenden Käsegeschäft und günstigeren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geschuldet. Konkret ist da der Franken-Wechselkurs zum Euro gemeint, der sich in den letzten Monaten deutlich entspannt hat. Hinzu kommt das fortlaufende Effizienzprogramm, das gemäss Riedener die Emmi-Erträge zusätzlich gestützt habe.
Einkaufstour bewährt sich
Die Einkaufstour im Ausland (u.a. Niederlande, Chile, USA, Italien) hat sich insofern ausbezahlt, als dass Emmi heute nicht mehr alleine vom Schweizer Markt abhängig ist und fast die Hälfte des Umsatzes in Amerika, Europa und übrigen Ländern ausserhalb der Schweiz erzielt. Urs Riedener geht dann auch davon aus, dass 2018 erstmals die Umsätze im Ausland jene in der Schweiz überholen werden.
Um die Akquisitionen zu tätigen, führe man eine lange Liste mit möglichen Firmen. Diese werde über die Jahre und im Verlauf der Verhandlungen automatisch ausgedünnt. Die Richtschnur bilden dabei «Suchfelder», die dem Emmi-Kerngeschäft entsprechen. Das heisst, die Konzernleitung sucht Beteiligungen im Käsegeschäft, im Biomarkt und im Bereich der italienischen Desserts.
Die Akquisitionen plane man gemäss Riedener schon seit Jahren. Ausserdem versuche man, «nur erfolgreiche Unternehmen zu kaufen», wie Riedener sagt. Wichtig sei dabei vor allem die Positionierung im Absatzmarkt um einen vernünftigen Marktzugang zu erhalten.
Organisch langsames Wachstum
Und für 2017 kann das Unternehmen mit den Auslandbeteiligungen erneut die Umsatzverluste in der Schweiz mehr als kompensieren. Allerdings täuscht das gute Ergebnis darüber hinweg, dass Emmi Schwierigkeiten hat, die Marktanteile zu halten. Bereinigt man den Konzernumsatz nämlich um Währungs- und Akquisitionseffekte, beträgt das Umsatzwachstum lediglich 0,5 Prozent.
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(in Mio Franken) |
Umsatz 2016 |
Umsatz 2017 |
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Schweiz |
1741 |
1731 |
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Division Americas |
866 |
950 |
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Division Europa |
519 |
564 |
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Division Global Trade |
133 |
120 |
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Gesamtumsatz |
3259 |
3364 |
Schweiz: Im letzten Jahr blieb der Milchpreis insgesamt stabil, der Umsatzrückgang liegt vor allem am Preis- und Importdruck aus dem Ausland. So haben auch 2017 die Käseimporte um 4,2 Prozent zugenommen, was den Absatz von Käse erschwerte. Insbesondere die Umsätze der AOP-Käse seien rückläufig, der Verkauf von Luzerner Rahmkäse und Le Petit Chevrier indes habe gesteigert werden können. Auch bei Caffè Latte sei Wachstum möglich gewesen. Bei Joghurts und Eigenmarken indes musste man Rückläufige Umsätze hinnehmen.
Americas: Die Umsatzsteigerung ist auf die Beteiligungserhöhungen bei SDA Chile und Mexideli sowie dem Zukauf der Firmen Cowgirl Creamery und Jackson Mitchell. Insbesondere in Tunesien und den USA haben sich die Umsätze positiv entwickelt.
Europa: Das europäische Käsegeschäft ist stark unter Druck. Der Absatz von Molkereiprodukten konnte insbesondere durch den Zukauf der Gläsernen Molkerei gesteigert werden.
Global Trade: Die Division Global Trade beinhaltet primär Direktverkäufe aus der Schweiz an Kunden in Ländern, in denen Emmi keine eigenen Gesellschaften haben. Entsprechend ist die Umsatzentwicklung dort etwas zufälliger, als in den anderen Produkten. Die negative Entwicklung ist vor allem auf rückläufige Entlastungsexporte von Butter und Milchpulver sowie tiefere Umsätze mit milchfremden Produkten zurückzuführen, die nicht zum Kerngeschäft von Emmi gehören.
Geldsegen für Aktionäre
Weil Emmi den 25. Geburtstag feiert und zudem Anfang Januar eine Beteiligung von zuletzt 22 Prozent am Jogurthersteller Icelandic Milk and Skyr Corporation ("Siggi's") in den USA verkauft hat, sollen die Aktionäre eine Dividende von insgesamt 10 Franken je Namensaktie erhalten, wie Emmi am Montag mitteilte.
Zum Vergleich: Letztes Jahr hatte die Ausschüttung für die Aktionäre bei 5.90 Franken gelegen. Für 2017 sollen 7 Franken der Dividende verrechnungssteuerfrei und die restlichen 3 Franken aus den Gewinnreserveren steuerpflichtig sein.
Über die Ausschüttung der Dividenden wird die Aktionärsversammlung entscheiden. Inwiefern die Mitglieder vom Mehrheitsaktionär ZMP von den höheren Dividenden profitieren werden, ist Sache der ZMP. Urs Riedener und Verwaltungsratspräsident Konrad Graber betonten jedoch, dass die Landwirte von den höheren Dividenden profitieren sollten, was von der ZMP auch schon signalisiert worden sei.
sda/hja