Sobald sie ihre Ausbildung erwähnt, strahlen Caroline Maudonnets Augen verschmitzt. Die 35-Jährige hat die Ausbildung im Jahr 2015 begonnen. Es sprudelt nur so aus der quirligen Einwohnerin von Bossonens FR heraus: «Ich habe mich vor allem aus Neugierde für den Bäuerinnenfachausweis entschieden». Zudem freut sich die junge Frau, neue Kenntnisse zu erwerben und überregionale Verbindungen zu knüpfen; eine tolle Gelegenheit, andere Bäuerinnen aus dem gesamten Welschland kennenzulernen.

Magali Briod, die Präsidentin der welschen Examensleitung weiss: «Ein paar nehmen an der Ausbildung bis zum Erwerb des Fachausweis teil, während andere nur einige Module aus persönlichem Interesse besuchen».

Die Ausbildung umfasst neun Pflichtmodule und zwei Wahlmodule und findet in den vier Landwirtschaftsschulen der Romandie statt: in Grangeneuve FR am Ausbildungszentrum für die Berufe der Hauswirtschaft und der Milch- und Lebensmitteltechnologie, in Courtételle JU an der interjurassischen Landwirtschaftsstiftung, in Morges VD am Ausbildungszentrum der Hauswirtschaftsberufe und in Sitten VS an der Berufsschule für Gewerbe und Gemeinschaftsdienste. 

Arbeitsalltag organisieren 

Die Teilnehmerinnen müssen zwischen den Schulen pendeln. Caroline Maudonnet erklärt in der Küche des Familienbetriebs: «Am einfachsten ist es, den Fachausweis zusammen mit einer Nachbarin oder einem Familienmitglied zu machen. So kann man die Fahrten aufteilen und sich gegenseitig motivieren». Soeben verlangt der dreijährige Alexandre ihre Aufmerksamkeit. «Geh nur mit deiner Schwester Julie draussen spielen, wir kommen nach», antwortet ihm die junge Frau mit einem sanften Lächeln. Mit zwei kleinen Kindern, einem Pensum als Sekundarlehrerin in Bulle und als Helferin auf dem Hof sind die Tage der Bäuerin gut gefüllt. Die Kursunterlagen studieren kann sie nur am Abend, wenn die Anderen im Haus schlafen. Caroline Maudonnet beklagt sich nicht. Obwohl die Tage manchmal streng sind, sind sie vor allem eins: sehr interessant und bereichernd.

Die Freiburgerin widmet dem Erwerb des Fachausweises rund anderthalb Tage pro Woche – mit Fahrzeit, Unterricht und Prüfungen. Für sie liegt der Vorteil der modularen Ausbildung darin, dass man sich gut im Vornherein organisieren kann und die Schulferien unterrichtsfrei sind. Die Mittdreissigerin kann auch auf die Hilfe ihrer Familie zählen. «Meine Schwiegermutter kümmert sich während meiner Abwesenheit um die Kinder. Und mein Mann hat mich sehr zur Ausbildung ermuntert».

Was gab den Anstoss?

Die diplomierte Erziehungswissenschafterin der Universität Fribourg will den Fachausweis auch wegen ihres Ehemanns erwerben. «Vincent, der Meisterlandwirt ist, bewirtschaftet den Hof ganz alleine. Manchmal, wenn ich ihm zuhörte, wünschte ich, auch Buchhaltung oder Recht zu verstehen, um an der Unterhaltung über den Betrieb teilzunehmen. Und man weiss ja nie, was die Zukunft bringt, daher ist ein Abschluss immer hilfreich» findet Caroline Maudonnet.

Sie stellt auch fest, dass ihre Kinder von ihrem neu erworbenen Wissen profitieren, beispielsweise, wenn sie vom Kochunterricht, einem Kurs über die Milchverarbeitung oder die Gartenbewirtschaftung auf den Hof zurückkommt. «Der Austausch und die Erfahrungen der anderen Bäuerinnen bereichern mich sehr. Da alle unsere Lehrerinnen und Lehrer aus der Praxis stammen, wissen sie wirklich, worüber sie reden», unterstreicht sie. Ist beim Fachausweis Bäuerin also alles in Butter? Die junge Frau lacht: «Nein, es gibt auch weniger Erfreuliches. So müssen wir lange auf die Prüfungsergebnisse warten und haben nicht automatisch Zugang zu unseren Prüfungskopien.»

Caroline wird vielleicht sogar die höhere Fachprüfung ablegen. «Mal sehen, was die Zukunft uns bringt. Ausschliessen möchte ich nichts. Falls ich den Bäuerinnen, die den Ausweis erlangen wollen, einen Ratschlag geben darf: Man sollte Spass daran haben und es nicht als lästige Pflicht wahrnehmen.»

Emily Lugon Moulin, Agri

Die BauernZeitung und Agri machen einen Artikeltausch. Dieser Artikel bietet Einblick in die Ausbildung Bäuerin mit Fachausweis ennet dem Röstigraben. In der BauernZeitung vom 14. Juli erscheint der zweite Teil mit einem Artikel aus der Deutschschweiz.