Diesen Frühling war der Schock gross. Die Frostnächte und der aussergewöhnliche Schneefall Mitte April haben die ganze Schweiz bewegt. Viele Bauern rechneten daher mit grossen Ertragsausfällen. Später hat die Trockenheit in vielen Regionen der Schweiz Sorgen bereitet. Jetzt,
Anfang August, ist die Ernte von Getreide und Kirschen bereits grösstenteils erfolgt.
Seeland besser dran
Die Bilder der brennenden Frostkerzen in den Kirschanlagen und Weinreben sind noch allen im Kopf. Viele dachten zum Zeitpunkt Mitte April, es sei alles verloren. Die Ernteschätzungen, die nach den Frostnächten gemacht wurden, waren dementsprechend tief. Nun, nach der Ernte kann man Bilanz ziehen.
Im Berner Seeland sei dies ertragsmässig eines der besseren Jahre gewesen, sagt Ueli Zürcher von der Landi Seeland gegenüber der BauernZeitung. Aufgrund der tiefen Ernteschätzung war der Markt zu Beginn mit den effektiv wesentlich höheren Liefermengen überfordert. «Aktionen wurden verhalten geplant», erklärt Zürcher. Auch die Werbetrommel sei aufgrund der tiefen Erwartungen nicht so stark gerührt worden. Aus Sicht des Seelands sei die Vermarktung der Kirschen dieses Jahr bestenfalls zufriedenstellend.
3200 Tonnen an Potenzial
Josiane Enggasser, Vizedirektorin des Schweizer Obstverbands, bestätigt dies. Die Seelagen seien in diesem Jahr deutlich besser dran gewesen als andere Gebiete.
«Im Schwarzbubenland und in Baselland gab es fast einen Totalausfall», fährt Enggasser weiter. Diese Regionen hätten extrem wenig geerntet im Verhältnis zu ihrem Potenzial. Insgesamt wurden in der Schweiz diesen Sommer 1450 Tonnen Kirschen geerntet. Geschätzt hätte man lediglich 800 t, gibt Josiane Enggasser Auskunft. In normalen Jahren liege das gesamte Schweizer Potenzial bei 3200 t. Die diesjährige Ernte ist also knapp weniger als halb so hoch wie in normalen Jahren.
Logistisch herausfordernd
Beim Getreide konnte die Ernte erfreulicherweise unter guten Bedingungen und einem langen Zeitfenster eingefahren werden. Jedoch fand die Ernte in den verschiedenen Höhenlagen und Kulturen fast gleichzeitig statt. Dies führte zu logistischen Herausforderungen. «Laut den ersten Einschätzungen sind die Erträge und auch die Qualität von Gerste und Raps gut ausgefallen. Allgemein scheinen die frühen Kulturen wie Gerste und Raps gute Erträge zu bringen, da sie unter der Trockenheit weniger litten», gibt Hannah Hutter, Stellvertretende Geschäftsführerin des Schweizerischen Getreideproduzentenverbands, Auskunft. Für Weizen sei die Einschätzung schwieriger. Da diese Kultur später abreife, sei der Einfluss der Trockenheit grösser. «Es kam teilweise zur Notreife, bevor die Ähren ganz ausgebildet waren, erklärt Hutter gegenüber der BauernZeitung. Es sei ebenfalls noch nicht klar, ob und in welchem Ausmass der Regen Ende Juli zu Auswuchs führte. «Die Erträge scheinen aber auch hier eher gut zu sein.»
Mitte Juli war in den Regionen des Mittellandes nahezu die gesamte Gerstenernte abgeliefert. In den späteren Gebieten in höheren Lagen lag der Anteil der abgelieferten Ware bei rund 60 Prozent. Die Gerste weist dieses Jahr im Gegensatz zur Ernte 2016, die durch sehr tiefe Erträge und Hektolitergewichte auffiel, gute bis sehr gute Resultate auf.
Wie genau die Erträge ausgefallen sind, zeigen aber erst die Zahlen der Ernteerhebung von Swiss Granum, welche ende August veröffentlicht werden.
Die Bohnen sind wüchsig
Auch bei den Bohnen fällt die Ernte besser aus als erwartet. Wie andere Gemüsekulturen sind die Bohnen dieses Jahr sehr wüchsig. Im Seeland habe man gar eine Überproduktion von Frischkonsum-Bohnen. Und dies nicht etwa wegen Spekulationen.
«In den letzten Jahren haben wir nie genug Bohnen gehabt. Dieses Jahr ist nun alles gut gewachsen», sagt Patrik Gerber von der Landi Seeland. Es würde etwa jedes Jahr die gleiche Fläche an Bohnen für den Frischkonsum angebaut. Dabei säe man in Abständen von sieben bis zehn Tagen. Bei der Ernte rund 60 Tage später seien bis drei Sätze miteinander reif geworden. Wegen der Sommerferien war dann auch noch der Konsum gesunken. So habe man einige Tonnen Bohnen vernichten müssen, hört man aus dem Seeland.
Jasmine Baumann