Robert Huber, Professor für Agronomie an der ETH in Zürich, schildert im Agrarpolitik-Blog eine Szene, die sich in zwei seiner Kurse abgespielt hat. Seine Studenten befassten sich mit dem Gegenvorschlag zur Ernährungssicherheitsinitiative (ESI) des Schweizer Bauernverbandes.
Im ersten Kurs bekamen Studenten im 2. Semester während vier Unterrichtsstunden Einblick in die grundlegenden Treiber und die Geschichte der Schweizer Agrarpolitik. Am Ende liess Huber über den ESI-Gegenvorschlag abstimmen. Resultat: 89% haben die Vorlage befürwortet, so Huber im Blog. Im zweiten Kurs, in dem Studierende des 4. Semesters unter anderem ausführlich über die theoretischen und konzeptionellen Grundlagen der Agrarpolitik unterrichtet worden sind, sah das Ergebnis anders aus. Bevor Huber über den Gegenvorschlag abstimmen liess, wurde über die unterschiedlichen Formulierungen der Initiative diskutiert. In diesem Kurs hätten nur noch 42% der Studierenden für den Gegenvorschlag gestimmt.
Gehe man davon aus, dass es keine grossen Unterschiede in der Einstellung zur Landwirtschaft zwischen den Studierenden in Agronomie des zweiten und vierten Semesters gebe, dann lasse sich der Unterschied im Abstimmungsergebnis nur durch die vertiefte Auseinandersetzung mit der Vorlage erklären, so Huber. Je konkreter die Auseinandersetzung mit dem alten und neuen Artikel, desto kritischer die Haltung zum Gegenvorschlag? Das Ergebnis dürfe selbstverständlich nicht verallgemeinert werden. Tatsache sei aber, dass es schwierig sei, den Mehrwert des Gegenvorschlags zur bestehenden Verfassungs-Formulierung zu erkennen, schreibt Huber.
BauZ