Cañete hatte im August dafür plädiert, auf internationaler Ebene bis 2030 eine Senkung der Treibhausgase der EU um 45 Prozent im Vergleich zu 1990 zuzusagen. Bisher ist das Ziel 40 Prozent. Das neue Ziel wolle er den EU-Staaten vorschlagen, erklärte Cañete damals der DPA. Die Idee war jedoch unter anderem bei der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und der deutschen Industrie auf Ablehnung gestossen.

Nach Cañetes Angaben wären für das höhere Ziel keine zusätzlichen Gesetze nötig; vielmehr werde die Minderung um 45 Prozent quasi automatisch erreicht, sofern die schon gesetzlich festgeschriebenen Massnahmen zum Energiesparen und zum Ausbau der erneuerbaren Energien umgesetzt würden. Hier hatten die EU-Staaten und das EU-Parlament im Frühsommer unerwartet ehrgeizige Kompromisse geschmiedet.

Ermunterndes Signal als Hauptgrund

Mit der offiziellen Festlegung auf das nachgeschärfte Ziel wollte Cañete ein Signal vor der nächsten Weltklimakonferenz im Spätherbst im polnischen Kattowitz setzen: Es sollte die Uno-Partner ermuntern, ebenfalls mehr gegen die Erderwärmung zu tun. Denn der globale Klimaschutz steckt in der Krise, seit US-Präsident Donald Trump das Pariser Abkommen von 2015 aufgekündigt hat.

Doch wollten sich einige EU-Staaten nach DPA-Informationen nicht auf einen Beschluss beim Treffen der Umweltminister am 9. Oktober einlassen. Im Entwurf der Beschlussvorlage wird das 45-Prozent-Ziel nicht erwähnt. Vielmehr wird nur indirekt darauf verwiesen, dass die ambitionierten Ziele für Ökoenergie und Energieersparnis auch auf das Gesamtziel durchschlagen werden. Selbst diese Formulierung geht Staaten wie Ungarn und Polen dem Vernehmen nach zu weit.

sda/dpa