Die Substanzen stehen im Verdacht, die Fortpflanzungsfähigkeit zu stören oder Brustkrebs auszulösen. Das EU-Parlament und die EU-Staaten bekommen den Vorschlag nun zur Prüfung. Aus Sicht von Kritikern sind die geplanten Vorgaben allerdings viel zu lasch.

Endokrine Disruptoren sind Stoffe, die den Hormonhaushalt von Menschen oder Tieren negativ beeinflussen und so die Gesundheit beeinträchtigen. Das zuständige EU-Expertengremium einigte sich nun auf wissenschaftliche Merkmale, um solche Stoffe zu identifizieren beziehungsweise von anderen Chemikalien abzugrenzen.

Auf dieser Grundlage könnten die hormonschädlichen Chemikalien bewertet und letztlich vom Markt genommen werden, erklärte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis. Er nannte dies einen grossen Erfolg und einen Schritt hin zu einem umfassenden System der Regulierung dieser Stoffe.

Kritik von Konsumentenschützern

Der europäische Konsumentenverband Beuc kritisierte den Beschluss hingegen heftig. Die EU-Kommission verstosse gegen das Vorsorgeprinzip, wonach im Zweifelsfall für schärfere Auflagen zu entscheiden wäre.

Der Grünen-Politiker Martin Häusling aus dem EU-Parlament kommentierte: «In einer beispiellosen Lobbykampagne ist es der chemischen und agrochemischen Industrie gelungen, massiv Einfluss auf die Politik zu nehmen und festzulegen, wie viel der Schutz unserer Gesundheit und Umwelt die Wirtschaft kosten darf.»

Die Kriterien beziehen sich zunächst nur auf Bestandteile von Pflanzenschutzmitteln. Als nächstes will die Kommission auch Kriterien für solche Substanzen in Schädlingsbekämpfungsmitteln beschliessen.

Die Brüsseler Behörde sieht dies als erste Schritte für weitere Schutzmassnahmen gegen endokrine Disruptoren. Die Strategie soll letztlich auch Spielsachen, Kosmetika und Lebensmittelverpackungen umfassen.

sda