Der Milchsektor befinde sich seit Jahren in einer Dauerkrise, erklärte EMB-Präsident Erwin Schöpges gestern vor Journalisten in Berlin. Auch in normalen Jahren gebe es keine kostendeckenden Milchpreise, um Ressourcen und Rücklagen aufzubauen. Dass die Betriebe überhaupt überlebten, sei vielerorts nur durch den Verzicht auf die eigene Entlohnung oder die der mitarbeitenden Familienmitglieder, den Verzicht auf Investitionen und die Bildung von Schulden möglich.

Lagerhaltung ausgedient

Auch dieses Jahr kündige sich mit Milchpreisen von unter 30 Cent/kg bereits als ein „unsicheres“ an, stellte Schöpges fest. Die ständigen Krisen schreckten potentielle Landwirtsnachfolger ab, die Milchviehbetriebe zu übernehmen.

Zwar habe die EU-Kommission im Krisenjahr 2016 mit dem temporären freiwilligen Lieferverzicht eine langjährige Forderung des EMB umgesetzt und damit gezeigt, wie erfolgreiches Krisenmanagement aussehen könne. Es fehle aber nach wie vor ein reguläres Kriseninstrument, das chronische Krisen vorhersehen und vermeiden könne, kritisierte der EMB-Präsident. Die Lagerhaltung hat indes nach seiner Ansicht als Kriseninstrument längst ausgedient. Die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sollte man nutzen, um neue Maßnahmen zu beschließen.

Das EMB bekräftigte seine Forderung, dass das von ihm entwickelte Marktverantwortungsprogramm (MVP) gesetzlich verankert werden sollte, um der chronischen Kostenunterdeckung entgegenzuwirken. Das MVP sieht vor, dass Milcherzeuger bei Krisengefahr freiwillig die Produktion temporär reduzieren, während die Milchmenge insgesamt aber gedeckelt wird. Zur Durchsetzung des Deckels sollen gegebenenfalls Sanktionen verhängt werden.

AgE