«Nach zwei schwierigen Jahren, freut mich die gute Kartoffelernte sehr» sagt Ruedi Fischer, Präsident der Vereinigung der Kartoffelproduzenten (VSKP) am Telefon. Auch auf seinem Betrieb, zwischen Solothurn und Bern gelegen, ist die Kartoffelernte über alles gesehen gut. Schweizweit, so Fischer, seien «die inneren und äusseren Qualitäten gut, wenn auch einzelne Posten mit Frassschäden und Schorf befallen seien», weiss Fischer.

Mehr Fläche ist unerwünscht

Die Anbaufläche stieg schweizweit um 200 Hektaren (ha) auf 11 00 ha. Die Flächenzunahme ist vor allem bei den mehlig kochenden Sorten und hier insbesondere bei der Sorte Jelly zu verzeichnen. Darüber ist Fischer nicht sonderlich erfreut: «Die Ausdehnung der Fläche ist nicht gewünscht», betont er. «Gerade die Ausdehnung der Sorte Jelly um über 100 ha erstaunt doch sehr und wirft bei mir einige Fragen auf», erklärt er.   Denn die zusätzlichen Flächen von mehlig kochenden Sorten hätten deren  Preis zusätzlich unter Druck gebraucht, führt Fischer aus. «Kommt dazu, dass in diesem Segment die Nachfrage nicht steigend ist», weiss er. 

Die Kartoffelernte-Saison sollte in der jetzt startenden Kartoffelernte wirklich gut ausfallen. Swisspatat, Branchenorganisation der Kartoffelbranche, hat gute Erträge in den Probegrabungen von Ende August auf den Feldern fest gestellt und dies auf die ganze Schweiz hochgerechnet. Die Bruttoerträge liegen laut Swisspatat mit 409 kg/a höher als
in den beiden vorhergehenden Jahren, sie erreichen aber das Niveau von 2012 (427 kg/a) nicht ganz, schreibt sie in der Mitteilung zur Ernte 2017. Bei einem durchschnittlichen Speiseanteil von 78 % liegen die Flächenerträge über alle Sorten bei 361 kg Speiseanteil pro Are. Verglichen  mit den letzten 5 Jahren, die von 2013 bis 2016 drei Kleinsternten enthalten, liegen die diesjährigen Flächenerträge 15 Prozent über dem Mittel, rechnet Swisspatat. Weiter hat Swisspatat festgestellt: 

  • Die Kaliber sind dieses Jahr grossfallend – die Raclette-Anteile folglich tief.
  • Die äusseren und inneren Qualitäten sind gut. 
  • Im Vergleich zum Vorjahr ist mehr Buckel- und Pulverschorf zu verzeichnen. 
  • Weitere verbreitete Mängel sind grüne und missförmige Knollen sowie Durchwuchs.
  • Die Stärkegehalte sind mit 14.6% allgemein etwas tiefer als im Vorjahr (15.4%). 

«Es ist wichtig, bei der Ernte die nötige Sorgfalt walten zu lassen», ruft Swisspatat auf. Der Anteil an Mustern mit noch grünen Stauden sei mit 44 Prozent tiefer als im Vorjahr (58.2 %), das heisse, dass «die Entwicklung der Kulturen bereits recht fortgeschritten ist und der Ertragszuwachs dürfte sich in Grenzen halten», schätzt Swisspatat.

Als Folge der guten Ernte liegen die Produzentenpreise tiefer. Vor jeder Kartoffelernte kommt bei den Produzentenpreisen das Preisband zur Anwendung. Dieses sieht vor, dass die Richtpreise plus/minus um 8 Franken je 100 kg schwanken können. 2016 haben die Kartoffelproduzenten vom neuen Preisband profitiert, diese Jahr haben die Kartoffelbauern hingegen das Nachsehen. 

Bis 12 Fr. tiefere Preise

Die Preise sinken von 30 Rappen je 100 kg (Sorte Panda) bis 12 Franken – bei der Sorte Lady Felicia und bei anderen mehlig kochenden Sorten – tiefer aus als 2016. «Wenn man das Preis-berechnungsmodell versteht, musste man mit solchen Schwankungen rechnen», erklärt der VSKP-Präsident Ruedi Fischer. «Ausser bei den festkochenden Sorten, wo wir zugunsten der mehlig kochenden Sorten eine Anpassung verlangten, sind die restlichen Preise systembedingt», versichert Fischer.

Verunsichert dieses System die Kartoffelproduzenten? «Unsere Produzentenkollegen im Ausland sind noch viel grösseren Preisschwankungen unterworfen», weiss Fischer und betont: «Mit ihnen möchte ich nicht tauschen.»  Grundsätzlich finde er aber das Schweizer Preisfindungsmodell gut. Allerdings werde dieses im Winter analysiert und nötigenfalls angepasst.

Hans Rüssli