Tierärzte gefordert
An der Pferdeauktion im Sand, Schönbühl, Mitte August, wurden teilweise kranke Tiere verkauft. Dieser Umstand wurde allerdings erst nach der Auktion öffentlich. Einige Pferde hatten Druse, eine hoch ansteckende Infektionskrankheit, welche die oberen Luftwege beim Pferd befällt. Trotz der hohen Ansteckungsgefahr und des teils langwierigen Krankheitsverlaufs gehört die Druse nicht zu den meldepflichtigen Krankheiten, wie beispielsweise Tollwut oder Tuberkulose. Tritt in einem Pferdestall Druse auf, muss ein Tierarzt den Erreger feststellen. Dann kommt die Meldeplattform Equinella ins Spiel. Betreut und überwacht wird diese an der Pferdeklinik Bern von der praktizierenden Tierärztin Franziska Remy-Wohlfender. Das Ziel von Equinella ist die Überwachung und Früherkennung von Pferdekrankheiten. Mit Equinella werden nicht meldepflichtige Krankheiten erfasst. Die meldepflichtigen Seuchen müssen dem zuständigen Kantonstierarzt gemeldet werden. Franziska Remy-Wohlfender ist überzeugt, will man in der reich besetzten Pferdelandschaft Schweiz Gesundheitskosten sparen, wird Equinella eine entscheidende Rolle spielen. Vorerst können nur Tierärzte Krankheiten melden, geplant ist aber, auch Pferdebesitzer direkt in die Meldung miteinzubinden. Das Ziel ist klar. So soll es vermindert zu Verbreitungen kostspieliger Krankheiten kommen. In Australien beispielsweise hat die Pferdegrippe Influenza vor zehn Jahren Schäden in Millionenhöhe angerichtet. Die Tierärztin betont, wie wichtig es ist, nichts zu vertuschen. «Der Fall Hefenhofen hat es deutlich gezeigt!», weiss sie. Oft sei eine falsche Scham der Grund, dass man nicht rechtzeitig informiere. «Etwas zu vertuschen schadet dem Ruf aber mehr», ist Remy-Wohlfender überzeugt. Die Schweizer Pferdepopulation sei sehr gesund, erklärt sie. Das könne sich mit dem Verschleppen solcher Krankheiten aber rasant ändern.
Wie weiter ab 2019?
Die Finanzierung des Pilotprojekts Equinella ist bis 2019 durch den Bund gesichert. Bis dann sollte die Branche eine Lösung auf die Beine stellen, die Plattform selber zu finanzieren. Ein ähnliches Projekt läuft auch bei den Bienen. Im Rahmen des nationalen Früherkennungsprogramms Apinella kontrollieren Imker schweizweit ihre Bienenstände. Damit soll eine Einschleppung des Kleinen Beutenkäfers frühzeitig erkannt werden. Es ist denkbar, dass auch andere Tierarten in Früherkennungsprogrammen geschützt werden sollen. So beispielsweise Rinder im Zusammenhang mit dem Schmalenbergvirus.
sb