Herr Schneider-Ammann, wollen Sie mehr Agrarfreihandel?
Johann Schneider-Ammann: Die Volkswirtschaft lebt zur Hälfte vom Export. Wenn wir wollen, dass wir punkto Wohlstand an der Spitze bleiben, brauchen wir die offeneren Märkte. Ohne über das Thema Landwirtschaft zu sprechen, kann man heute keine Freihandelsverträge mehr abschliessen. Hier haben wir zwei Prinzipien. Wir machen nur so viel wie nötig und wir machen nichts, das unsere Landwirtschaft überrumpelt. Sie soll nicht überrascht werden.
Kritiker monieren, der Gegenvorschlag zur Ernährungssicherheitsinitiative sei unnötig. Warum braucht es ihn aus Ihrer Sicht?
Für mich ist wichtig, dass wir das ganzheitliche Konzept von der Furche bis zur Gabel festgeschrieben haben. Die einzelnen Elemente kann man fast alle in die bestehende Verfassung hineininterpretieren, aber ich habe bisher noch niemanden gefunden, der mir auf Anhieb zeigen konnte wo. Die Initiative des SBV war stark protektionistisch ausgelegt. Es wäre für die übrigen Wirtschaftszweige absolut unverantwortlich gewesen, wenn wir das hätten durchgehen lassen.
Die Vision einer starken Landwirtschaft, die dank Interaktion mit Import- und Exportwirtschaft floriert, ist gut. Aber die Bauern sind immer die letzten, die die Hunde beissen.
Es ist ja bekannt, je weiter hinten man in der Wertschöpfungskette kommt, desto tiefer wird die Marge. Deshalb empfehle ich den Bauern, ihren Anteil an der Wertschöpfung zu erhöhen. Es gibt einen Markt und um den streiten sich Gewerbler und Landwirte. Diesen Wettbewerb müssen wir akzeptieren.
Was passiert mit denjenigen, die unternehmerisch nicht mehr mithalten können?
In den letzten Jahren betrug der Strukturwandel in der Schweizer Landwirtschaft im Durchschnitt weniger als zwei Prozent. Dieser Prozess wird – weitgehend im Rahmen des Generationenwechsels – weitergehen.
Interview: akr, lae
Das vollständige Interview mit Bundesrat Schneider-Ammann lesen Sie in der Printausgabe der BauernZeitung von morgen Freitag.