«Am schönsten Ort» wurde Margrit Flückiger-Schick als Älteste von vier Kindern geboren; im Weiler Lustorf, der zur Gemeinde Düdingen FR gehört. «Ich ging nur acht Jahre zum Schulunterricht, wie das damals üblich war. Dies wirkt sich nun wohl manchmal im Alter aus», meint Margrit Flückiger mit einem Schmunzeln. Nach der Schule musste sie für ein Jahr die kirchliche Unterweisung besuchen. Die reformierte Familie Schick lernte das Diasporaleben kennen. Die katholischen Feiertage wurden auf dem Bauern- betrieb von allen geachtet.

Prägendes Welschlandjahr

Vor Schicksalsschlägen wurde Margrit Flückiger nicht verschont. Bei sich und auch in ihrem Umfeld musste sie oftmals erkennen, dass Menschen wohl ihr vor- bestimmtes Leben haben. «Ich bin überzeugt, dass Gott jedem einzelnen seine Gaben gibt. Mich hat er mit einem guten Mund und Humor ausgestattet» meint die Bäuerin mit einem Lachen. Ihren ersten nachhaltigen Schicksalsschlag erlebte Margrit Flückiger im Welschlandjahr: In ihrer Gastfamilie wurde eine Tochter geboren, die dann halbjährig verstarb. Trauer und Schmerz ihrer Madame mitzuerleben, sowie den Tod als Ereignis wahrzunehmen, waren prägend.

Von Dänemark bis Militär

Bereits als kleines Mädchen war für Margrit Flückiger klar, sie wollte Krankenschwester werden. Zuvor absolvierte sie ein Haushaltlehrjahr, ging für einen Auslandeinsatz nach Dänemark und machte ein Praktikum als Schwesternhilfe. Ihre Aus-bildung zur Krankenschwester machte sie in Bern. Dann folgten drei Jahre im Spital Interlaken BE auf der «Männerchirurgie» und eine Weile im Spital Burgdorf BE. «Die Zeit im Spital Burgdorf war prägend, ich lernte dort meine Freundin Rosalie Jufer kennen. Sie bekam 1963 Zwillinge und ich wurde Gotte. Götti war Walter Flückiger, mein zukünftiger Mann. So kam ich nach Melchnau BE» hält die Bäuerin fest. Nach der Heirat 1965 entstand eine glückliche Familie. «Ich bekam fünf Kinder in sieben Jahren und nun sind schon zwölf Grosskinder dazugekommen. Wir sind so dankbar. Alle sind gesund», meint die stolze Grossmutter. Nebst ihrer Arbeit in der Familie und auf dem Hof war Margrit Flückiger immer mit ihrem Beruf verbunden. Schon bald nach der Heirat wurde sie als Stellvertreterin der Gemeindeschwester angefragt. «So habe ich Melchnau, Leute und Häuser kennengelernt. Auch die Veränderung von der Gemeindeschwester zur Spitex-Angestellten bis hin zum Gebrauch des Computers habe ich mitgemacht» erzählt die Fachfrau. Viel war früher anders, so rückte sie als Rotkreuz-Krankenschwester mit dem VW Käfer und den Kindern Hannes und Marianne auf dem Rücksitz ins Militär ein. Ausgebildete Krankenschwestern wurden nämlich früher ins Militär eingeteilt. Sehr fortschrittlich war, dass es dort bereits Kinderbetreuung gab.

Verantwortung tragen

Grosse Verantwortung übernahm die junge Bäuerin ab 1969 als Nachtwache im Spital Huttwil BE. «Es war für mich aber eine gute Zeit. In meinem Beruf war ich sattelfest und hatte das Vertrauen der Vorgesetzten, der Behörden und der Polizei» erzählt Margrit Flückiger. Es ist kaum verwunderlich, dass die aktive Berufsfrau den Samariterlehrerkurs absolvierte und im Zivilschutz zum Dienstchef Sanität erkoren wurde. Dazu machte sie 1982 im Alter von 42 Jahren die Bäuerinnenprüfung. Ab Mitte der Achtzigerjahre unterrichtete Margrit Flückiger am Inforama Waldhof BE die Klassen der Bäuerinnenschule im Fach «Gesundheit und Soziales». Dazu gehörte Kranken- und Säuglingspflege sowie ein Sanitätskurs, der die Unfallgefahren auf dem Bauernhof beinhaltete. «Ich wollte den jungen Frauen im Unterricht etwas mitgeben, das sie im Leben auch brauchen können.» So lehrte sie die Frauen, bei Konflikten erst mal nichts zu sagen, sondern still auf hundert zu zählen. Dies sei manchmal bei Meinungsverschiedenheiten mit Älteren wichtig. Diese dächten früher und heute immer noch etwas anders als Junge.

Am Limit gelaufen

«In dieser umtriebigen Zeit lief ich manchmal am Limit und wusste nicht, ob ich alles bewältigen kann. Ich hatte aber in vielen Momenten gute Hilfen. Sei dies beim Garten jäten oder beim Kinderpulli stricken, was ich beides nicht gut kann», stellt Margrit Flückiger dankbar fest. Sie hatte auch den Rat, ein Kartenspruch, einer Freundin vor Augen: «Herr, segne diese Unordnung». «Dort wo ich war, ging es lustig zu und her. Das war vor allem dann wichtig, wenn es nicht nur Sonnentage gab und das Schicksal viel forderte. Ich konnte aber immer Kraft aus dem Glauben und beim Singen schöpfen. Gottvertrauen und Jodellieder halfen bei Vielem», sagt die Bäuerin. Ferien konnte sich Margrit Flückiger kaum gönnen. Die Welt entdeckte sie auf Reisen mit den ehemaligen Waldhofschülern und mit den Landfrauen. Die Landfrauen bedeuten ihr sehr viel, und sie schätzt das feste Netzwerk der Vereine und Verbände. Längst ist das Land verpachtet, mit ihrem Mann Walter lebt Margrit Flückiger aber glücklich auf dem Hof. «Nun bin ich im Ruhestand. Ich teile aber noch die Rotkreuzfahrten ein und fahre selber gerne mit zu den Leuten.» Dazu geniesst sie – wenn immer möglich – bei kleinen Plauderstunden einen Kaffee und gibt mit ihrem goldigen Humor oft das «Zückerli» dazu.

Barbara Heiniger