Zwischen Palmen und bei tropisch angenehmer Temperatur fand am vergangenen Freitag zum vierten Mal der Ackerprofi-Infotag der Syngenta statt. Diesmal veranstaltete Syngenta ihn in märchenhafter Atmosphäre im Gewächshaus Giardino Verde in Uitikon ZH. Doch die märchenhafte Atmosphäre ist getrübt durch Zeiten, in denen die Landwirtschaft im Visier des Negativjournalismus steht. Stefan Odermatt, Geschäftsführer der Syngenta Schweiz, nutzte die Veranstaltung, um die Rolle des Schweizer Agrarunternehmens Syngenta im «uphill battle» der Schweizer Landwirtschaft darzulegen.
Zeiten haben sich geändert
Bildlich gesehen, befinde sich die Schweizer Landwirtschaft «am steilen Hang, die Arbeit ist schwer und die Absturzgefahr stets präsent», beschreibt Stefan Odermatt die aktuelle Situation. Als Ursache fast allen Übels nennt er «eine städtische, landwirtschaftsferne und durch die Mainstream-Presse falsch informierte Bevölkerung.» So würde die Schuld an Insektensterben, Biodiversitätsschwund und der Verunreinigung von Grund- und Trinkwasser der Landwirtschaft zugeschoben, obwohl die Gründe vielfältig oder sogar noch unbekannt seien. Unwissend unterschreibe der Konsument Initiativen wie die «für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung», ohne zu wissen, welche negativen Auswirkungen diese Debatte auf die Produktion seiner geliebten lokalen Lebensmittel habe. Für den Pflanzenschutzmittel-Anbieter Stähler Suisse AG ist das «Angstmacherei». «Dabei hat die Schweiz sehr sauberes Trinkwasser, so sauber, dass man es unbedenklich aus dem Hahn trinken kann», bekräftigt Stephan Lack, Geschäftsleiter von Stähler auf Anfrage. Auch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) bestätigt: «Das Schweizer Trinkwasser ist generell von sehr hoher Qualität.» Seit 2006 wird hierzulande regelmässig die Qualität des Trinkwassers durch die kantonalen Behörden unter Leitung der Kantonschemiker untersucht. Das BLV bewertet mittels Risikoanalyse das gesundheitliche Risiko der im Trinkwasser vorkommenden Substanzen für die Verbraucher.
Schweizer Versorgung bedroht
«Volksinitiativen entstehen aus Ignoranz», ist Stefan Odermatt überzeugt. So gäbe es keinen Grund sich etwa gegen den Einsatz von Antibiotika aufzulehnen. Seit 1999 sind Antibiotika als Wachstumsförderer in der Schweiz verboten. Die Schweiz hat zudem im April 2016 gesetzlich vorgeschrieben, dass Antibiotika nicht mehr prophylaktisch verschrieben werden dürfen. Ebenso erhält kein Landwirt in der Schweiz Direktzahlungen, weil er Pflanzenschutzmittel (PSM) einsetzt. Im Gegenteil: Wer weniger Mittel einsetzt, wird belohnt. Ohne PSM wäre die sichere Versorgung der Schweizer Bevölkerung mit Nahrungsmitteln nicht mehr möglich, darin sind sich die Agrarunternehmen einig. Auch der Chemie-Konzern Bayer sieht die nachhaltige Landwirtschaft bedroht. Auf Anfrage kommentiert Bayer: Studien aus Deutschland und den USA haben ergeben, dass von einem Ertragsrückgang von 20 bis 40 Prozent auszugehen ist, würden PSM nicht mehr eingesetzt. Diese Schätzungen gelten auch in der Schweiz. Bei Spezialkulturen könnte der Verzicht auf PSM gar zu Totalausfällen führen. Die fehlenden Mengen an landwirtschaftlichen Produkten müssten mit zusätzlichen Importen ausgeglichen werden. «Die Vorstellung, man könne auf PSM verzichten, ist falsch und eine Fehlinformation zu Marketingzwecken», erklärt Odermatt. Nach Stephan Lack sollte der positive Beitrag unserer Bauern sehr viel mehr hervorgehoben und Anerkennung entgegengebracht werden.
Kritik am Aktionsplan
«Der Landwirt setzt jetzt schon so wenig wie möglich und nur so viel wie nötig an PSM ein», so Stefan Odermatt. Dem Bund ist das jedoch noch nicht genug. Dieser hat mit dem Aktionsplan Pflanzenschutz ein Instrument geschaffen, mit dem der Landwirt über bestimmte Massnahmen den Einsatz von PSM und dessen Risiko halbieren soll. Grundsätzlich zeigt der Aktionsplan Chancen auf», so Stephan Lack. «Er unterstützt eine produktive, nachhaltige und wettbewerbsfähige Schweizer Landwirtschaft», ist sich auch Odermatt bewusst. Doch werde dem Schutz der Kulturen – einem der drei Schutzziele des Aktionsplans – zu wenig Bedeutung geschenkt, beschwert er sich: «Die lokale Produktion qualitativ hochwertiger Nahrungsmittel darf durch den Aktionsplan nicht gefährdet werden. Aus diesen Gründen muss dem Schweizer Landwirt auch künftig eine Mindestauswahl von PSM zur Verfügung stehen». Darüber ist sich die Agrarindustrie einig. Einige der im Aktionsplan vorgeschlagene Massnahmen würden dies verunmöglichen und gefährde- ten direkt den Anbau gewisser Kulturen in der Schweiz – und zwar im biologischen, Extenso- sowie konventionellen Anbau. Vielmehr müsse vor der Umsetzung einer Risikoreduktion eine Analyse vorliegen, welche die Auswirkungen dieser auf die land- wirtschaftliche Produktivität aufzeigt. «Ansonsten bliebe die Effektivität einer Risikoreduktion unklar», so Bayer.
Neue Technologien fördern
Stefan Odermatt ist sich sicher, dass nicht die Reduktion der Anzahl der PSM zu weniger Einträgen in Gewässern führt. Sondern gezielte Massnahmen dazu beitragen, die von vielen Landwirten schon längst umgesetzt werden. Auch unterstütze die Agrarindustrie bereits bestehenden Initiativen wie TOPPS, um die Kontamination von Oberflächengewässern kontinuierlich zu verringern, informiert Bayer. Sollen PSM reduziert werden, brauche es neue Technologien, um den Schutz der Kulturen sicher zu stellen. Odermatt verweist auf die CRISPR/Cas 9 - Methode zur Züchtung von resistenten Sorten. Denn eine Reduktion von chemischen Produkten könne schon bald zu erhöhtem Resistenzrisiko führen. Ganz auf Pflanzenschutz könne man dabei jedoch nicht verzichten, da auch resistente Sorten niemals gegen alle Krankheiten und Schädlinge immun seien.
Kommunikation mangelhaft
An der mangelhaften Kommunikation zwischen Landwirtschaft und dem Konsumenten muss gearbeitet werden, sind sich die Agrarunternehmen einig. Informationen, ohne wissenschaftlich fundierte Ergebnisse würden den Konsumenten laut Stephan Lack fehlleiten und genannte Initiativen auslösen. Positive Aspekte der landwirtschaftlichen Produktion würden schlicht und einfach über- sehen. Doch sollte vermehrt darauf aufmerksam gemacht werden, welche Konsequenzen ein Verbot von Pflanzenschutzmitteln auch für den Konsumenten mit sich führt. Denn nach wie vor wünsche sich der Konsument eine gute Auswahl an lokal produzierten, qualitativ hochwertigen landwirtschaftlichen Produkten aus der Schweiz. Dieser Wunsch ist jedoch mit seinen hochgesetzten Anforderungen an die Landwirtschaft nicht vereinbar.
Katrin Erfurt