Vergangene Woche konnten Coop-Kunden Butter zum Aktionspreis erstehen. Vier Mal 250 Gramm wurden für 10.95 statt 12.40 Franken verkauft. Zwar gehören Aktionen zum Detailhandel dazu. Doch der Zeitpunkt der Butter-Aktion ist etwas unverständlich. Denn die Butterlager sind in der Schweiz und auch im umliegenden Ausland praktisch leer. Branchenkenner gehen zudem davon aus, dass gerade in der Vorweihnachtszeit Butter ohne Weiteres verkauft werden kann. Denn bei den Weihnachtsguetzli spielt der Butterpreis keine Rolle.
Aktionen gehören dazu
Auch Stephan Hagenbuch ist konsterniert. «In der aktuellen Situation fragt man sich schon . . .», sagt der Direktor der Schweizer Milchproduzenten (SMP). Er hat schon viele solche Momente erlebt und fügt an: «Es wird allerdings immer wieder betont, dass solche Aktionen bereits zu Jahresbeginn geplant sind.» Und genau dasselbe sagt auch Coop: «Aktionen planen wir lange im Voraus», lässt Mediensprecher Ramon Gander auf Anfrage ausrichten. «Dabei wird auch die Verfügbarkeit von Produkten berücksichtigt», sagt Gander weiter. Die starke Nachfrage könne derzeit gedeckt werden.
Dass mit dem Preisnachlass Wertschöpfung vernichtet wird, lässt man mit Verweis auf die jährliche Aktionsplanung unkommentiert. Und dass darob selbst die SMP nicht mehr in Rage geraten, ist auch dem Umstand geschuldet, dass die Detailhändler selbst in einem recht harten Markt stehen und unter anderem auch Milchprodukte als Frequenzbringer einsetzen. Und Coop ist dabei kein Einzelfall. Denn auch Migros hat in der laufenden Woche Aktionen: UHT-Vollrahm kann für 3.80 Franken statt 6.40 Franken (für zwei Halbliterpackungen) gekauft werden. Theoretisch wird der Preis bei der mittelfristigen Betrachtung wieder geglättet: Wenn Butter knapper wird, steigt der Butterpreis und damit der ausbezahlte Milchpreis. Dass im Ausland die Butter teurer wurde (wir berichteten), wirkt sich folglich auch auf die Schweizer Milchpreise aus. Schon vor drei Monaten hat der Vorstand der Branchenorganisation Milch darauf aufmerksam gemacht, dass die Fettpreise in der Schweiz erhöht werden könnten. Coop ist dem Vorschlag gefolgt. Wie Ramon Gander sagt, habe man entsprechend am 1. Oktober den Preis für 250 g Kochbutter von 2.95 auf 3.10 Franken angehoben.
Wer behält den Gewinn?
Trotzdem: das starre Festhalten an den Aktionsplänen vernichtet Wertschöpfung. Gleichzeitig kritisierte der Schweizer Bauernverband (SBV) vergangene Woche die Butterhersteller. Diese würden sich mit den im Detailhandel realisierten Preisaufschlägen selbst ein «grosszügiges Weihnachtsgeschenk» gönnen. Der SBV beruft sich bei seiner Kritik auf die voraus angemeldeten Milchpreise.
Hansjürg Jäger