Im Rahmen der internationalen «Antibiotika-Awareness-Woche», die zum ersten Mal auch in der Schweiz vom 13. bis 19. November durchgeführt wird, melden sich auch die Initianten der Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» zu Wort. Die Initiative fordert bekanntlich, dass Landwirtschaftsbetriebe, die Antibiotika in der Tierhaltung prophylaktisch einsetzen oder deren Produktionssystem einen regelmässigen Einsatz von Antibiotika nötig macht, von Subventionszahlungen ausgeschlossen werden. In den vergangenen acht Monaten wurden gemäss dem Initiativkomitee über 115 000 Unterschriften gesammelt.
Möglichst wenig Antibiotika in den Wasserkreislauf
«Präventiv eingesetzte Antibiotika in der Tiermast fördern nicht die Tiergesundheit, sondern Antibiotikaresistenzen», erklärt Franziska Herren vom Verein sauberes Wasser für alle. Antibiotikaresistenzen entstehen massgeblich durch den übermässigen Einsatz von Antibiotika in der Tiermast. Die in der Tierhaltung eingesetzten Antibiotika gelangen via Gülle und Mist auf die Felder und von dort auch in den Wasserkreislauf. Antibiotikaresistente Bakterien können sich über Gewässer, Trinkwasser und die Nahrung verbreiten und so von Menschen aufgenommen werden. Schon 2014 erklärte die Eidgenössische Fachkommission für biologische Sicherheit Antibiotikaresistenzen zur «grössten Bedrohung für die Gesundheit in der Schweiz».Nur wenn wirksame Antibiotika bereitstehen, können auch weiterhin schwerwiegende Infektionen behandelt, Transplantationen, chirurgische Eingriffe oder Chemotherapien durchgeführt werden.
Wissen um Resistenzen soll sinnvoll genutzt werden
«Diese Tatsachen sollten uns Warnung genug sein, sofort zu handeln und die Tierhaltung anzupassen», sagt Franziska Herren. «Dass die Tierhaltung nicht auf einen regelmässigen und prophylaktischen Einsatz von Antibiotika angewiesen ist, ist bekannt, wird praktiziert und muss zur Norm werden – zum Wohle von Mensch und Tier.»
Was die Initiative sonst noch fordert
Hinter der Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» steht eine kleine, engagierte Gruppe von Privatpersonen. Mit der Volksinitiative soll die Schweiz endlich eine nachhaltige Landwirtschaft fördern. Subventionen sollen Landwirtschaftsbetriebe in Zukunft nur noch dann erhalten, wenn sie:
- pestizidfrei produzieren,
- die Biodiversität erhalten,
- nicht mehr Tiere halten, als sie mit ihrem Betrieb selbst ernähren können,
- Antibiotika nicht prophylaktisch einsetzen.
Zudem verlangt die Initiative, dass die landwirtschaftlichen Forschungs- und Beratungsgelder gezielt auf eine Nahrungsmittelproduktion ausgerichtet werden, die ohne Pestizide und prophylaktischen Antibiotikaeinsatz auskommt und effizient und nachhaltig aus den eigenen Ressourcen produziert. Heute wird der grösste Teil dieser Gelder dafür verwendet, die Schäden zu untersuchen oder zu reduzieren, die durch die zu intensive Lebensmittelproduktion entstanden sind.
pd