Das turbulente und geschichtsträchtige Rebjahr 2017 neigt sich nach einem frostigen Start mit anschliessend doch vielen Erfolgsmomenten aber leider auch sehr harten Rückschlägen langsam seinem Ende zu. Überraschend schnell ist der Auftakt zur diesjährigen Weinlese erfolgt. So wurden etwa im Zürcher Weinland bereits letzte Woche die ersten Trauben geerntet. Dabei standen vor allem die frühreifen Sorten und der Riesling x Silvaner im Fokus der Rebleute. Diese Sorten wurden bereits geerntet.

Nach dem Frost der Hagel

Das Sprichwort «Die Ernte ist erst gesichert, wenn sie im Fass ist», hatte sich in diesem Jahr bewahrheitet. Noch am 1. August gab es abgesehen von kleineren Hagelschäden in fast allen Parzellen Lichtblicke – auch in den vom Frost geschädigten Lagen.

Das trockene und warme Wetter Ende Frühling und Sommer sorgten für beste Bedingungen für die Entwicklung des oftmals bescheidenen Traubenbestandes. So schien es, dass ein Teil des Frostschadens durch grosse und schwere Trauben kompensiert werden könnte. Dies war aber nicht überall der Fall.

Im Baselbiet oder auch St. Galler Oberland fehlte es einfach an zusätzlich ausgetriebenen Augen. Der Gewittersturm am frühen Morgen des 2. August bereitete dann in vielen Reblagen der erfreulichen Entwicklung ein Ende.

Bescheidene Ernte

Der Fäulnisdruck, teilweise durch den Hagelschlag und auch Wespenfrass verursacht, sorgte nun dafür, dass mit der bescheidenen Ernte sehr zügig gestartet werden musste. Bereits sind im Weinland vielerorts frühreife Spezialitäten wie der Solaris bereits gelesen und in diesen Tagen ist der schnelle Auftakt für die Lese beim Riesling x Silvaner erfolgt. Frost und Hagel dezimierten die Ernte empfindlich. Jetzt ist viel Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt, um die Trauben entsprechend den Vorgaben der Abnehmer korrekt auszusondern.

Schäden erfasst

Vor der Lese haben rund zwei Dutzend Experten der Hagelversicherung die versicherten Hagel- und Frostschäden definitiv erfasst und abgeschlossen. Hier ergab sich für viele Reblagen ein sehr düsteres Bild: Zwischen Rudolfingen und dem Stammertal sind zahlreiche Totalausfälle zu verzeichnen – oder sehr hohe Schäden mit Ausfällen von über 90 Prozent. Für viele der versicherte Rebleute ist es seit einer Generation gar das erste Mal, dass sie aus dieser Versicherung einen Nutzen ziehen können. Rebleute ohne Versicherung haben keine andere Wahl, als auf ihre Reserven zurückzugreifen.

Roland Müller