Landwirt Walter Haas, Milchbauer in Umstellung auf Bio, ist enttäuscht. Den Mehrpreis für seine Bio-Umstellungsmilch hätte er sehr geschätzt. Von seinem Milchkäufer, der Genossenschaft Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP), hatte Haas Mitte August einen Brief bekommen, wonach dieses Projekt per sofort eingestellt werde. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) habe der Firma Emmi die Bewilligung zur Beimischung von Umstellungsmilch zur Biomilch nicht erteilt. Somit werde Haas’ Milch ab Hof wieder wie gewohnt abgeholt, nämlich als normale Industriemilch.
Zwei Wochen mehr Geld
Nur während rund zweier Wochen – Anfang August wurde die Logistik umgestellt – konnte Haas seine Milch separat abliefern, zu einem höheren Preis. Fünf bis acht Rappen mehr wurden ihm für diese versprochen, allerdings zeitlich beschränkt für die Projektdauer von maximal fünf Monaten.
Weil Biomilch und vor allem Biomilchfett derzeit knapp seien, habe man Lösungen diskutiert, damit zur Deckung der Nachfrage nicht auf Importe ausgewichen werden müsse, erklärt Dominik Estermann, Präsident vom Biomilchring ZMP. Emmi habe sich bereit erklärt, ein Projekt zur befristeten Verwendung von Umstellungsmilch zu prüfen.
Besser als Importe
Dazu hat Emmi beim BLW ein «Gesuch für eine befristete Bewilligung für die Verwendung einer nicht biologischen Zutat landwirtschaftlichen Ursprungs» gestellt. Konkret sollte eine geringe Menge an Umstellungsbutter als Zutat in einem verarbeiteten Industrieprodukt temporär eingesetzt werden, wie Sibylle Umiker von Emmi erklärt. Schweizer Umstellungsmilch komme nämlich dem Knospe-Standard wesentlich näher als importierte Biomilch oder Biobutter. Umstellungsmilch erfülle alle Anforderungen an Biomilch mit Ausnahme der Einhaltung der zweijährigen Übergangsfrist. Für einen Grossteil der Produzenten, deren Milch für dieses Gesuch vorgesehen war, sei diese Frist bereits zu 75 Prozent eingehalten. «Das Projekt hätte somit für alle Beteiligten Vorteile gehabt», findet Umiker. Auch Bio Suisse hegte offensichtlich Sympathien dafür. So heisst es im Marktkommentar von Mitte August, dass bei Mangel an Biobutter das Angebot mit Butter aus Umstellungsmilch ergänzt werden könnte.
Projektstart vor Bewilligung
Dass die Bauern für diese Umstellungsmilch «nur» einen Mehrpreis von fünf bis acht Rappen erhalten – also noch weit unter dem aktuellen Biomilchpreis, der 20 Rappen höher liegt, begründet Umiker von Emmi mit dem erheblichen logistischen Aufwand. «Andererseits ist auch die Zahlungsbereitschaft bei den Kunden für ein solches Produkt nicht gleich hoch.»
Seit Anfang August hat Emmi 130 Tonnen von dieser Umstellungsmilch separat gesammelt, obwohl das Gesuch noch nicht bewilligt war. «Ein solches Projekt benötigt eben erheblichen zeitlichen Vorlauf. Zudem kann jeweils nicht genau abgeschätzt werden, wann die Rückmeldung der Behörden folgt», begründet Sibylle Umiker.
Nach dem nun kürzlich vom BLW verfügten Nein bezüglich des Gesuchs bleibe den betroffenen Bauern zumindest der Trost,
dass sie für die bisher gelieferte Milchmenge den versprochenen Mehrpreis erhalten. Bis zum Erreichen des Knospe-Status müssen sie ihre Milch nun aber wieder in den konventionellen Kanal zu tiefen Preisen liefern.
Strenge Bio-Verordnung
Das Nein des Bundesamts für Landwirtschaft will Patrick Aebi vom BLW noch nicht kommentieren. Formell sei noch nichts entschieden. Patrick Aebi verweist aber auf die Bio-Verordnung. Diese lasse eine Ausnahme betreffend die Verwendung von nichtbiologischen Zutaten gar nicht zu. «Wir dürfen den Konsumenten doch nicht Bio vorgaukeln», bemerkt Aebi.
Emmi sei deshalb bereits mitgeteilt worden, dass das Gesuch chancenlos sei, die juristische Begründung werde folgen. Zudem seien die Lager an Biobutter bereits wieder ansteigend und hätten letzte Woche gemäss Aebi bei 100 Tonnen gelegen. Bio Suisse meldete allerdings Mitte August nach wie vor einen niedrigen Lagerbestand. «Es fehlen rund 100 Tonnen Butter, wenn ab Oktober vermehrt Butter nachgefragt wird.»
Der Mangel an Biomilch und damit auch Biobutter dürfte allerdings nur vorübergehend sein. Bereits nächstes Jahr wird mit einem Anstieg von Biomilch gerechnet, und einen deutlichen Schub gibt es 2019, wenn zahlreiche grosse Umsteller die Knospe-Anerkennung erhalten werden.
Josef Scherer