Die Felder in der Milchpreisarena sind schon lange abgesteckt: Die Milchproduzenten wollen einen höheren Milchpreis. Die Verarbeiter und der Handel auch, aber nur, wenn es die Marktaussichten zulassen. Am Mittwoch treffen die verschiedenen Positionen und deren Träger wieder aufeinander: Der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM) trifft sich und setzt den A-Richtpreis für das vierte Quartal 2017 fest.

SBV fordert Richtpreiserhöhung

Während sich die BOM-Vertreter vor den Vorstandssitzungen eigentlich nicht zu Wort melden, machen das aber aussenstehende Organisationen und Vertreter gerne. Bereits am vergangenen Donnerstag hat sich der Schweizer Bauernverband mit einer Mitteilung in Stellung gebracht: Der SBV erwartet eine Anhebung des Richtpreises um fünf Rappen. «Er erwartet weiter, dass die Richtpreise eingehalten und keine ungerechtfertigten Abzüge getätigt werden», heisst es weiter.

Internationale Märkte erholen sich

Die Grundlage für die vom SBV-Vorstand formulierte Forderung basiert auf der internationalen Preisentwicklung. Die Handelspreise seien um 30 bis 60 Prozent über den Vorjahreswerten, die Produzenten erhielten 10 bis 18 Rappen mehr pro Kilo Milch, die Butterpreise lägen in der EU auf Rekordniveau und hätten sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. «Gemäss Prognosen bleibt die Marktlage auf den internationalen Märkten in den nächsten Monaten gut», schreibt der SBV weiter. Ausserdem zeige sich der Markt auf internationaler Ebene wie letztmals im Sommer 2014. Damals betrug der A-Richtpreis in der Schweiz 71 Rappen, der ausbezahlte Milchpreis lag gut zehn Rappen höher als heute.

Was der SBV ausblendet: Seit 2014 ist die Milchproduktion in der EU gestiegen. Der durchschnittliche EU-Milchpreis notierte zwischen November 2013 und Februar 2014 bei mehr als 40 Eurocent je Kilo Milch, daraufhin folgte der Preiseinbruch auf etwas mehr als 25 Eurocent im Sommer 2016. Seither haben sich die EU-Milchpreise leicht erholt und notieren seit Dezember 2016 stabil bei 33 Eurocent je Kilo Milch. Ein wesentlicher Grund für die Seitwärtsbewegung dürften die nach wie vor gut gefüllten EU-Magermilchpulver-Lager liegen. Denn in der EU warten gegen 400 000 Tonnen Magermilchpulver auf ihren Verkauf. Zum Vergleich: In der Schweiz produzierten die Pulverhersteller 2016 gut 27 000 t Milchpulver.

Schweiz verliert aber Marktanteile

Hinzu kommt ein, für die Schweizer Milchbranche weiterhin unbequemer Umstand: Marktanteilsverluste. «Trotz geringerem Pro-Kopf-Konsum erhöhte sich der Gesamtkonsum, da das Bevölkerungswachstum stärker ausfiel als die Produktionssteigerung von Milchprodukten», schreibt etwa das Bundesamt für Landwirtschaft im Marktbericht Milch vom Juli 2017. Da der Schweizer Milchpreis mit Verzögerung den europäischen Preisentwicklungen folgt, ist eine Erhöhung des A-Richtpreises trotz den jüngsten Erhohlungen des Euro-Franken-Wechselkurses aus dieser Sicht nicht unbedingt angezeigt. Ausserdem weist auch der Milchpreisindex vom Bundesamt für Landwirtschaft nicht darauf hin, dass der Markt eine Richtpreiserhöhung nötig hat.

Richtpreiserhöhung ist dennoch möglich

Das heisst aber nicht, dass eine Richtpreiserhöhung unmöglich ist. Wie die BOM-Vorstandsmitglieder nämlich in der Phase der tiefen EU-Milchpreise bewiesen haben, können sie den Preisabstand zum Ausland erhöhen, wenn sie das wollen und für nötig erachten. Zuletzt geschah das 2015 und 2016, als die europäischen Milchpreise stark zurückgingen. Ausserdem sind die Schweizer Butterlager so tief, wie schon lange nicht mehr, während auch die Milchproduktion im Vergleich zum Vorjahr deutlich tiefer ausfällt (-2,6% im ersten Semester). Hinzu kommt der Umstand, dass bereits im Mai verschiedentlich eine Richtpreiserhöhung erwartet wurde, dann aber nicht eintrat. Der Richtpreis blieb bei 65 Rappen und die BOM geriet ins Trudeln, weil Migros und Elsa den BOM-Austritt per Ende Jahr angekündet haben. Gleichzeitig mit dem Richtpreisentscheid im Mai hat Coop bekanntgegeben, bei den Eigenmarken 3 Rappen mehr für die Milch zu bezahlen - freiwillig. Und Aldi hat kurze Zeit später gemeinsam mit Cremo Fairmilk lanciert, während die Produzentenorganisationen forderten, dass die ungerechtfertigten Abzüge (Euro-Stärke, Importabwehr, und andere) nun endlich in die ewigen Jagdgründe geschickt werden.

Dank den sich erholenden Preisen haben die verschiedenen Akteure die ausbezahlten Milchpreise leicht erhöhen können. Das heisst auch, dass sich der Abstand zu den europäischen Milchpreisen wieder verkleinert hat. Ob die BOM-Vorstandsmitglieder am Mittwoch nun den Preisabstand zur EU halten bzw. vergrössern wollen, hängt deshalb zu einem guten Teil von ihrem Willen ab, weniger von den Marktaussichten. Opportun wäre es allemal, denn die Produzenten haben den ganzen Sommer über erheblich Druck gemacht.

hja