Dies geht aus einer Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor. Der rasante Temperaturanstieg in der Nordsee könnte sich fortsetzen: Das Umweltministerium verweist in seiner Antwort auf Berechnungen, wonach die Wassertemperatur bis zum Jahr 2100 um weitere 1,7 bis 3,2 Grad wärmer werden könnte.
Hurrikane wie derzeit über dem Atlantik sind aber nicht zu befürchten. Die können erst ab Wassertemperaturen von 26 Grad entstehen. Die Bundesregierung bezieht sich bei ihren Angaben auf Daten des Weltklimarates IPCC und des Alfred-Wegener-Instituts. Über die Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Julia Verlindens und die Antwort der Bundesregierung hatte zuerst die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet.
Klimawandel und Temperaturanstieg der Nordsee gefährden demnach Ökosystem und Artenvielfalt. "Insbesondere temperaturempfindliche Arten müssen weichen", schreibt das Ministerium und nennt als Beispiel den Kabeljau, dem durch den Temperaturanstieg die Beute abhanden kommt. Stattdessen lebten inzwischen vermehrt Fischarten aus südlichen Gefilden in der Nordsee wie Roter Knurrhahn, Streifenbarbe, Sardelle und Wolfsbarsch.
Folgen auch in Europa
Angesichts der Entwicklung verwies Umweltstaatssekretär Flasbarth auf die Folgen des Klimawandels auch in Deutschland. "Die Erderwärmung wird insgesamt zu mehr Wetterextremen wie Hochwasser, Sturmfluten und Starkwinden führen, aber umgekehrt in einigen Teilen des Binnenlandes auch zu mehr Trockenperioden und extremer Hitze", erklärte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP am Samstag.
"Davor sind wir auch in Deutschland nicht gefeit, wenngleich die Bedrohung für uns nicht so existenziell ist wie für kleine Inselstaaten", fügte er hinzu. "Viele denken beim Klimawandel nur an die Erwärmung der Erdatmosphäre. Tatsächlich wird ein erheblicher Teil der durch Treibhausgase verursachten Erderwärmung auch in den Meeren gespeichert."
Der Staatssekretär forderte als Konsequenz, "im eigenen Land wie weltweit sehr viel ernsthafter an den Klimaschutz" heranzugehen. Das bedeute vor allem, sich innerhalb weniger Jahrzehnte von fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Gas zu verabschieden. "Wer diese Entwicklung bremst, gefährdet unsere Zukunft", warnte Flasbarth.
sda/dpa