Am vergangenen Freitag fand im Hotel Olten in Olten SO die Abschlussveranstaltung zum achtjährigen Projekt «Mit Vielfalt punkten – Bauern beleben die Natur» (MVP) statt. Es referierten und diskutierten Forscher und geladene Gäste aus den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt, Markt und Politik über die Ergebnisse und das Potenzial dieses Projektes, das seit 2009 durch die Zusammenarbeit des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) und die Schweizerische Vogelwarte Sempach durchgeführt wurde. Unterstützung fand das Projekt durch die Bundesämter für Umwelt (Bafu) und Landwirtschaft (BLW) sowie die Labelorganisationen Bio Suisse und IP-Suisse.

Handbuch ausverkauft 

«Die ganze erste Auflage von 8500 Exemplaren ist ausverkauft», freute sich FiBL-Direktor Urs Niggli über den Erfolg des Handbuchs «Biodiversität auf dem Landwirtschaftsbetrieb –Ein Handbuch für die Praxis». In diesem vom FiBL und der Vogelwarte Sempach 2016 publizierten Band wird anschaulich gezeigt, wie Landwirte auf ihren Betrieben die Biodiversität fördern können. 

Artenvielfalt nimmt ab

Der Biodiversitätsrückgang ruft zum Handeln auf. Die Biodiversität auf landwirtschaftlichen Flächen sollte seit den 1990er-Jahren mit Instrumenten und Massnahmen erhalten und gefördert werden. Darunter der Ökologische Leistungsnachweis (ÖLN) und die Verpflichtung, dass alle Landwirte mindestens sieben Prozent ihrer landwirtschaftlichen Nutzfläche als Biodiversitätsförderfläche (BFF) bewirtschaften müssen. Trotzdem mussten Bafu und BLW 2016 feststellen, dass die Artenviel-falt und der Anteil wertvoller Lebensräume bis heute weiter abnehmen. Gründe hierfür werden in der mangelhaften Qualität vieler BFF, in den intensiven landwirtschaftlichen Produktionsformen und den mangelnden Kenntnissen über Biodiversität und den ökologischen Zusammenhängen gesehen. 

Entwicklungen verglichen

Das FiBL und die Vogelwarte hatten sich nun die Aufgabe gesetzt, die Leiterinnen und Leiter von 22 Betrieben im Jahr 2009 gesamtbetrieblich auf ökologischer und betriebswirtschaftlicher Ebene zu beraten. Dabei wurde die Entwicklung der BFF auf den beratenen Betrieben mit denen ohne Beratung verglichen. Die Landwirte erhielten Aufwertungsvorschläge für die Qualität von BFF und entschieden dann, welche Massnahmen sie bereit waren umzusetzen. 

Beratung zeitigt Erfolg

Die Auswertung nach sechs Jahren hat gezeigt, «dass beratene Betriebe mehr und qualitativ wertvollere BFF anlegen und pflegen als die Vergleichsgruppe». Diese liegen sogar deutlich über den Anforderungen des Ökologische Leistungsnachweises. Auch hat sich ergeben, dass die Kombination aus Nahrungsmittelproduktion und Förderung der Biodiversität ökonomische Vorteile für den Betrieb bringen. 

Dennoch, «viele Landwirte erkennen die Vorteile nicht, die sie auf ihrem Betrieb für die Produktion nutzen könnten», so Robert Home vom FiBL. Wären die Kenntnisse über deren Vorzüge grösser, wäre es für Landwirte eine grössere Motivation, Biodiversitätsförderflächen zu stärken und/oder anzulegen. 

Nicht nur die Forscher sehen einen Bedarf in der Aus-und Weiterbildung der Landwirte. Das Bundesamt für Umwelt äussert sich dazu wie folgt: «In Anbetracht ihrer hohen Wirkungseffizienz plädieren wir dafür, unabhängige gesamtbetriebliche Beratungsangebote breitflächig zu ermöglichen. Eine kompetente, praxisnahe Beratung ist ein Schlüsselfaktor, um die angestrebten Ziele der Biodiversitätsstrategie Schweiz zu erreichen.»

Ein Sprung in die richtige Richtung? Zumindest eine Grundlage für den schon längst überfälligen Aktionsplan vom Bund zum Thema Biodiversität.

Katrin Erfurt