Als die Beinwilerin Rita Hänggi vor dreieinhalb Jahren zur Präsi-dentin des Solothurner Bäuerinnen- und Landfrauenverbands (SOBLV) gewählt wurde, neckte die «Solothurner Zeitung»: «Die neue Präsidentin lebt etwas abgelegen.» Was ja stimmt – und doch ist die Bäuerin und Wirtin mitten drin im Geschehen. Die Wanderwegweiser vor der Bergwirtschaft Vorder Erzberg weisen in viele Richtungen. Und in ihre Gaststätte treten Wanderer und Biker nicht nur aus dem Solothurnischen, sondern auch aus den Kantonen Baselland, Bern und Jura.
Interkantonal orientiert
«An gewissen Tagen sehen wir von uns aus den Säntis; das fasziniert mich», sagt Rita Hänggi. «130 Kilometer Luftlinie entfernt liegt der 2500 Meter hohe Heimwehberg aller Ostschweizer, über mehrere Hügel gut sichtbar als bezaubernder Abschluss unserer Natur-
kulisse.» Sie liebe es, an solchen Tagen draussen zu sitzen und diese Aussicht zu bewundern. Also, wenn es die Arbeit erlaube.
Rita Hänggi wuchs mit vier Geschwistern auf dem Hof Obere Buche in Beinwil SO auf. Sie absolvierte eine Lehre als Textilverkäuferin im bekannten Modegeschäft Ruf im Städtchen Laufen. Sie lacht: «Schon in der Lehre war ich interkantonal orientiert: Ich wohnte im Kanton Solothurn, arbeitete im Kanton Bern (seit 1994 gehört Laufen zu Baselland) und besuchte die Berufsschule in Basel-Stadt.»
Anlässlich eines Tanzkurses, organisiert von der Landjugend Thierstein, lernte sie Blasius Hänggi kennen. Ihr Mann scherzt: «Tanzen habe ich nicht gelernt, aber dafür meine Frau kennengelernt.» Ende 1984 heirateten die beiden und übernahmen den Hof von Blasius Eltern am Balmweg in Nunningen SO. Die Kinder Sandra (32) Gemeindeverwalterin, Denise (31) Kindergärtnerin, Stefan (29) Hofnachfolger, und Michaela (26) Arzthelferin, wurden geboren. Das Bauernhaus wurde umgebaut, später arbeitete Blasius Teilzeit auswärts und bereitete sich auf die Meisterprüfung vor.
Nicht genug für zwei
Rita Hänggi absolvierte den offenen Bäuerinnenkurs und die Bäuerinnenprüfung am Wallierhof und arbeitete danach Teilzeit auf ihrem ursprünglichen Beruf. «Es war immer viel los», erinnert sie sich. Ein schreckliches Erlebnis war der Brand des Wohnhauses im Jahr 2000. 1995 stellten sie um von Milchwirtschaft auf Mutterkuhhaltung und im 2000 nahm der Landwirt eine Vollzeitstelle an bei Landi Gelterkinden BL. «Und ich habe daheim gebauert», erklärt die Bäuerin.
Ihr Sohn Stefan hatte nach der Schule die Ausbildung als Lastwagenführer absolviert. Nach ein paar Jahren zog es ihn zurück auf den Bauernhof. Er durchlief die bäuerliche Ausbildung und wollte den Hof übernehmen. Die Eltern waren erfreut über den Entscheid, erkannten jedoch, dass der Betrieb nicht genug
hergibt für zwei Familien. Sie beschlossen, dass sie auf eine neue Existenzsuche gehen würden.
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Benildis Bentolila