Bevor man überhaupt im kleinen, feinen Museum der ehemaligen Bäuerin Margrit Sutter-Lüthi steht, hat sie schon zwei amüsante Geschichten erzählt über die private Sammlung, die sie trotzdem «Dorfmuseum» nennt. «Schliesslich», schmunzelt sie, «zeige ich hier, wie unsere Vorfahren gelebt und gearbeitet haben.» Viele Gegenstände stammen aus ihrer Familie oder sie wurden ihrem Museum geschenkt.

Mutter als Vorbild

Nun, da man mit ihr vor den zusammengetragenen Exponaten steht, sprudelt es nur so aus ihr heraus. Zu jedem noch so kleinen Ding hat sie eine wunderbare Geschichte, meistens eine Anekdote, parat. Obwohl sie vom eher harten Leben unserer Vorfahren erzählt, weiss sie mit Augenzwinkern lustige Begebenheiten einzuflechten. Sie hat grossen Respekt für die Arbeit unserer Gross- und Urgrossmütter und bewundert sie für ihren harten Alltag. Aber sie erzählt auch von heiteren Geschehnissen. Margrit Sutter zuzuhören ist Labsal für die Seele und Geist. Ihr Vater arbeitete an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Getreideversuche in St. Croix VD und später als Verwalter an der Schweizerischen Gemüsebau Genossenschaft Seeland BE. Dort wurde sie als fünftes Kind der Familie geboren. Später zogen Lüthis nach Hemmiken BL, wo der Vater die Milchgenossenschaft und die Mutter den dazu gehörigen Laden führten. Er verstarb früh und hinterliess seine Witwe Ida Lüthi mit acht Kindern zwischen 3 und 17 Jahren alt. Dankbar erinnert sich die Tochter: «Die Dorfbevölkerung ist unserer Familie beigestanden in dieser Zeit, sonst hätten wir nicht alle beisammen bleiben können.» Ihre Mutter sei eine «gwehrige» Frau gewesen und arbeitete Tag und Nacht, damit die Kinder anständig angezogen in die Schule gehen konnten. Der zweitälteste Bruder konnte bald die Milchgenossenschaft Hemmiken als Geschäftsführer übernehmen. Die Mutter behielt den Laden bis ins hohe Alter hinein. Sie starb vor sechs Monaten. «Täglich denke ich an sie. Meine Mutter war und ist mein grosses Vorbild», hält Margrit Sutter fest.

Verliebt in skifahrenden Ueli

Nach der Schule absolvierte die junge Frau auf Wunsch ihrer Mutter die Bäuerinnenschule im Waldhof, Langenthal BE, um für den eigenen Haushalt gerüstet zu sein. Sie konnte dabei auch die Zeit überbrücken, bis sie die Lehre als Krankenpflegerin in Liestal BL begann. Als 26-Jährige bestand sie erfolgreich die Höhere Fachprüfung als Meisterbäuerin. Das sei in mancher Beziehung eine Herausforderung gewesen. Sie lächelt: «Obwohl ich keine Bauerntochter bin, spielte die Landwirtschaft zeit meines Lebens eine Rolle.» Wie kam sie denn auf den Hof in Kilchberg BL? «Ich habe mich beim Skifahren in meinen Mann Ueli verliebt», blickt sie schwärmerisch zurück. «Und ich verliebe mich heute, nach 40 Jahren, jedes Mal neu, wenn er in seiner winterlichen Ausrüstung auf den Skiern steht.» Für sie gebe es keinen attraktiveren Skifahrer als Ueli Sutter. Sie zog zum skifahrenden Landwirt, gebar drei Kinder, die ihr bis jetzt sechs liebenswerte Grosskinder schenkten. Das siebte ist unterwegs. Sie betrieben Milchwirtschaft, Ackerbau und Obstbau auf Hochstammbäumen. 1997 trennten sie sich von den Kühen, verpachteten letztes Jahr Stall und Land, behielten jedoch die Obstbäume. Ihre Hofprodukte bieten sie im Hofladen an. Zudem machen Sutters bei einer Online-Plattform für regionale Produkte aus der Landwirtschaft (www.basellandshop.ch) mit. In der Freizeit widmet sich Margrit Sutter gern ihrer Familie, dem Töpfern, also dem Formen von kunstvollen Figuren. Und dem Stricken von Wollsocken.

Das Leben auskosten

Wahrscheinlich töne ihre Geschichte recht makellos, meint sie. Doch hätten sie und ihr Mann grosse gesundheitliche Probleme gehabt in früheren Jahren. Sie hatte als 43-Jährige nach einer Operation einen Herzstillstand und musste neu gehen und teilweise sprechen lernen. Damals habe sie sich gesagt, alles könnte plötzlich vorbei sein, also gelte es, das Leben auszukosten und die Freude mit den Mitmenschen zu teilen. Als sie feststellte, wie Personen jeden Alters sich an ihrer Sammlung von alten Zeitzeugnissen ergötzten, wollte sie diese öffentlich zugänglich machen. Sie trat der Museumsfachtischrunde Baselland bei. «Das ist wichtig», erklärt sie, «denn so kann ich mich mit anderen Museumsbetreibenden auf fachlicher Ebene austauschen.»

Benildis Bentolila