Die Nidwaldner «Puirä Sunntigstracht» fällt auf mit den bunten Stickereien, dem Schmuck und den steif gebügelten Ärmeln. "Ob mich noch nie jemand habe entführen wollen wegen meiner wertvollen Tracht", diese Frage sei Ruth Bucher bei einem Auftritt gestellt worden. Sie winkt lachend ab: "Nein, natürlich nicht."
Fans aus der Fremde
Auf dem Männlichen im Berner Oberland tritt die Trachtengruppe Buochs jedes Jahr auf – vor hauptsächlich asiatischem Publikum. Anfangs eine ungewohnte Situation: "Ich kann keinen Meter weit gehen, beim ersten Mal war mir das nicht ganz geheuer", erzählt die junge Bäuerin, mittlerweile habe sie sich an den Rummel gewöhnt. Sie und ihre Trachtenkameraden seien gar schon auf Bildern oder Kalendern im fernen Asien entdeckt worden. Ruth Bucher wertet das als "Zeichen für unsere Tracht", als Wertschätzung. Die 35-jährige empfindet es als grosse Ehre und sie trägt das Kleid mit grossem Stolz. Ihre beiden Trachten hat sie von ihrer Mutter übernommen, "die Stickereien auf der Werktagstracht hat meine Grossmutter selber gefertigt."
Traumhafte Heimat
Über dem Vierwaldstättersee und dem Dorf Buochs thront der Hof Schüpferi, wo Ruth und Peter Bucher in Gemeinschaft mit seinem Onkel Milchwirtschaft und Schweinezucht betreiben. Die gelernte Pharmaassistentin ist dabei täglich im Schweinestall anzutreffen, hilft beim Heuen und erledigt die Buchhaltung. Auch die Kinder Salome (10), Valentin (8) und die fünfjährige Noemi helfen mit. "Das steht schliesslich so auf dem Ämtliplan", bemerkt Salome. Ruth Bucher schätzt es überaus, dass ihre Kinder an diesem traumhaften Ort aufwachsen können. Nur Valentin moniert: "Aber Mueti, unser Schulweg ist zwei Kilometer und etwa 200 Meter lang", das sei schon ganz schön viel. Dafür können sie ohne Bedenken nach draussen und sich rund um den Hof austoben. Und schon gehen die Erzählungen los, alle drei haben unzählige Geschichten auf Lager: Vom Schlitteln über die steilen Hügel, von den gemeinsamen Skiferien und natürlich vom Trachtentanzen.
Aufregung der Jüngsten
Denn Ruth und Peter Bucher – auch er ist in der Trachtengruppe Buochs – haben ihre Begeisterung vererbt. Aktuell ist jedoch nur noch Noemi aktiv, denn leider fehlt eine Jugendgruppe. "Jetzt müssen wir halt ein paar Jahre warten", weiss Salome, die Älteste. Just an diesem Abend hat denn auch die quirlige Noemi einen Auftritt, auf den sie sich freut. Auch wenn die Mädchen manchmal miteinander tanzen müssen, weil es zu wenige Jungs hat.
Ein gemeinsames Hobby mit ihrem Mann zu haben, findet die Nidwaldnerin sehr bereichernd. "Wir tanzen gerne miteinander, können aber auch mit anderen", schmunzelt sie. Das ist auch nötig, denn für Auftritte müssten sie sich manchmal abwechseln, wie die lebensfrohe Bergbäuerin erklärt. Die Kinderbetreuung und der Betrieb – das alles passt nicht immer unter einen Hut mit gemeinsamen Ausflügen. "Darum gehe ich im Herbst ohne Peter ans Unspunnenfest", so Ruth Bucher weiter, Neid komme aber nie auf. Bereits dreimal war sie auch an der Älplerchilbi, als ihr Mann Peter Älplerbeamter war: "Für mich der emotionalste Moment, es ist ein Dorffest und man kennt die Leute. Das Tragen der Tracht verbinde ich darum ganz stark damit."
ag
Die BauernZeitung Zentralschweiz und Aargau stellt in einer Serie die Trachten der Kantone Aargau, Luzern, Ob- und Nidwalden, Schwyz, Uri und Zug vor.