Bio boomt. Per anfangs Jahr meldeten sich 386 Betriebe neu bei Bio Suisse an. 13,4 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche wird nach Bio-Standard genutzt. Auf der negativen Seite steht jedoch der vermehrte Gestank. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) sieht darin erhöhtes Konfliktpotenzial. Gemäss der «NZZ am Sonntag» soll die Luftreinhalte-Verordnung redigiert werden. Darin ist genau festgehalten, bei welcher Anzahl Tieren welcher Abstand zwischen Ställen und Wohnhäusern einzuhalten ist.
Bauern dagegen
Fundament für diese Richtlinien bilden Studien von Agroscope. Schon letzten Sommer wurde offenbar ein Änderungsentwurf erarbeitet, der aber so grosse Mindestabstände zwischen Häusern und Ställen vorgeschrieben hätte, dass letztere sie nicht hätten erfüllen können. Bauern sind von den Plänen des Bundes nicht begeistert. «Wenn die Regeln verschärft werden, müssen viele Bauern ihre Ställe kostspielig umbauen oder verschieben. Die meisten könnten das finanziell nicht verkraften und alternative Standorte sind kaum zu finden», so Markus Hausammann, Landwirt und SVP-Nationalrat. Wie das Nachrichtenportal 20 Minuten berichtet, will er deshalb mittels Interpellation beim Bundesrat in Erfahrung bringen, ob es tatsächlich zu grösseren Mindestabständen kommen und ob Bauerndörfer von strengen Regelungen ausgenommen werden könnten. «Wer auf dem Land wohnt, ist sich den Geruch gewöhnt, und wer aufs Land zieht, weiss, auf was er sich einlässt. Die Interessen können nicht gleich gewichtet werden wie in Stadt oder Agglomeration.»
Hauseigentümerverband: «Entlastung für Anwohner»
Wie «20 Minuten» berichtet, würde der Hauseigentümerverband Schweiz (HEV) eine strengere Regelung begrüssen. «Das wäre eine Entlastung für Anwohner, die unter den Gerüchen, aber auch unter Lärmemissionen der Tiere leiden», so Monika Sommer, stellvertretende HEV-Direktorin. Die neuen Richtlinien des Bundes müssten dabei sicherstellen, dass die Bevölkerung vor unangenehmen Gerüchen und auch vor möglichen gesundheitlichen Folgen geschützt sei. Für die Anliegen der Landwirte hat Sommer dennoch Verständnis. «Wenn ein Bauernbetrieb wegen strengerer Regeln umbauen muss, sollte die Zumutbarkeit im Einzelfall geprüft werden und auch die Interessen des Landwirts berücksichtigt werden.»
lae