Noch bis am 30. August kann man sich bei den Kantonen für die Umstellung auf biologischen Landbau ab 2018 anmelden. Auf Anfang 2017 hatten 386 Betriebe auf Bio umgestellt. Wie viele 2018 dazukommen werden, ist noch offen. Es sei noch zu früh für eine Abschätzung, erklärt man bei Bio Suisse.
25 Jahre Naturaplan
Bio-Suisse-Präsident Urs Brändli freut sich auf weitere Produzenten. Dass dabei die Märkte übersättigt werden könnten, befürchtet er nicht, bisher habe man die Mengen noch immer untergebracht, und in diversen Segmenten gebe es viel Potenzial. Grundsätzlich gehe es für Bio Suisse in erster Linie aber nicht darum, Produzenten umzustellen, sondern Konsumenten, sagt Brändli. Einen wichtigen Beitrag dazu erwartet er von Coop. Der Grossverteiler feiert nächstes Jahr 25 Jahre Naturaplan, was die Nachfrage weiter erhöhen dürfte. Man rechne mit einem Wachstum über sämtliche Sortimentsbereiche, heisst es bei Coop auf Anfrage. Bis 2025 wolle man mit Naturaplan zwei Milliarden Franken Umsatz erreichen, 2016 lag dieser bei 1,05 Mrd Franken.
Noch Potenzial
Befragt nach den Potenzialen in den einzelnen Sortimentsgruppen gibt Bio Suisse wie folgt
Auskunft:
Milch: Milchprodukte machen den grössten Teil des Umsatzes mit Bioprodukten in der Schweiz aus. 2016 waren es über 300 Mio Franken. Der Marktanteil liegt bei 12,6%. Die Prognose geht in Richtung leicht steigende Nachfrage und stabile Preise.
Rindfleisch: Biorindfleisch wird unter verschiedenen Kennzeichnungen vermarktet, die sich auch bezüglich Produktionsvorschriften und Marktlage unterscheiden.
Knospe-Rindfleisch: Nebst Direktvermarktung können die Knospe-Banktiere bedingt über den Detailhandel an Gastronomie-Lieferanten und an lizenzierte Metzgereien vermarktet werden.
Natura-Beef Bio: Neue Produzenten sind gesucht.
Bio-Weide-Beef: In den Migros-Regionen Neuchâtel, Fribourg und Waadt werden noch Produzenten gesucht.
Bio-Weiderind: Tiere sind weiterhin gesucht, auch aus Umstellungsbetrieben.
Mastremonten: Für Bio-milchbetriebe besteht die Möglichkeit, Ochsen und Rinder als Remonten für die Weidemast abzusetzen. Ideal sind Tiere, welche von einem Fleischrasse-Stier abstammen oder mindestens auf ein Wachstumspotenzial von
500 kg LG aufzeigen.
Kalbfleisch: Knospe-Kalbfleisch ist primär im Winter und vor Feiertagen gesucht. Der Absatz im Frühjahr und Sommer ist aufgrund eines Überangebotes schwierig. Professionelles
Management ist in der Biokälbermast ein Muss, da für einen guten Erlös die Schlachtkörperqualität zentral ist.
Schweinefleisch: Die Nachfrage nach Bioschweinefleisch kann dieses Jahr aufgrund neuer Umstellbetriebe voraussichtlich gedeckt werden. Es ist damit zu rechnen, dass sich die Richtpreise Schweine und Jager gegen unten korrigieren werden. Schweinezüchtern und -mästern sowie interessierten Betrieben wird aufgrund des Marktdruckes empfohlen, die Abnahme vorgängig vertraglich zu sichern.
Ziegenfleisch: Bioziegenmilch wird nachgefragt, für Knospe-Ziegenfleisch besteht jedoch noch kaum ein Markt.
Schaffleisch: Es gibt zwar einen Markt für Biolammfleisch, das Angebot übersteigt jedoch die Nachfrage. Wer Lammfleisch mit der Knospe vermarkten will, muss eine Taxierung von mindestens T2 erreichen und den Verkauf frühzeitig planen.
Pouletfleisch: Die Nachfrage wächst, dementsprechend wird die Produktion ausgebaut. Für Betriebe, die nicht selbst vermarkten, ist die Einbindung in eine Vertragsproduktion oder die Zusammenarbeit mit einer Produzentengemeinschaft zwingend. Die Voraussetzungen für einen Produktionsvertrag sind eine Affinität zu Geflügel, das Interesse an einer langfristigen Zusammenarbeit sowie freie Arbeitskapazitäten. Ideal ist es, wenn für die Aufzucht bereits
ein Stall zur Verfügung steht, der Betrieb nicht zu weit vom jeweiligen Schlachtbetrieb entfernt und mit grösseren Transportern erreichbar ist.
Eier: Der Handel kann seinen Bedarf während den Hochphasen Ostern und Weihnachten gerade so decken. Der Richtpreis liegt im dritten Jahr in Folge bei 45,5 Rappen für den Produzenten. Die Chancen für einen Einstieg aufgrund der steigenden Nachfrage stehen gut.
Brotgetreide: Die Verarbeitungsmengen sind weiterhin wachsend. Die inländische Produktion kann nur etwa einen Drittel des Bedarfs decken. Weizen, Roggen und Dinkel sind daher sehr gesucht. Mahlweizen mit hohen Proteingehalten wird von den Verarbeitern bevorzugt, weshalb für Mahlweizen neben dem Richtpreis je nach Proteingehalt Zu- und Abschläge gelten.
Futtergetreide: Der Futtergetreidemarkt ist aufgrund der steigenden Biotierbestände weiter wachsend. Futtergetreide kann normalerweise bereits ab dem ersten Umstellungsjahr zum Knospe-Richtpreis vermarktet werden. Bei Gerste, Hafer und Triticale zeichnet sich nahezu eine Vollversorgung ab, weshalb diese Kulturen weniger gesucht sind. Umsteller müssen damit rechnen, dass bei diesen Kulturen der Knospe-Richtpreis nicht ausbezahlt werden kann. Futterweizen und Körnermais bleiben hingegen sehr gesucht. Ebenfalls gut nachgefragt werden Eiweisserbsen und Ackerbohnen. Bio Suisse fördert den Anbau dieser Körnerleguminosen mit einem Beitrag von 8 Fr./dt (Ernte 2017). Der Förderbeitrag wird jährlich den Erntemengen angepasst und dürfte künftig weiter sinken.
Ölsaaten: Die Märkte für Raps, Sonnenblumen und Soja sind zurzeit gesättigt, aber wachsend. Die Anbaubereitschaft ist zurzeit grösser als die Nachfrage. Vor der Aussaat gilt es daher, mit dem Abnehmer den Bedarf abzu-
klären. Umstellmengen können nicht mit der Umstell-Knospe vermarktet werden.
Kartoffeln: Die Nachfrage nach Biokartoffeln ist weiterhin steigend. In guten Jahren kann der Bedarf an einheimischen Kartoffeln durch den Flächenzuwachs gedeckt werden. Kartoffeln von Umstellbetrieben können in Absprache mit dem Abnehmer manchmal vermarktet werden.
Zuckerrüben: Schweizer Biozucker ist gesucht, weshalb die Schweizer Zucker AG ab Ernte 2017 den Knospe-Rübenproduzenten eine Prämie von 30 Fr./t auf dem Basispreis ausbezahlt. Zuckerrüben von Umstellbetrieben können nur zum konventionellen Preis übernommen werden.
akr/pd
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