Im erwähnten Artikel allerdings wurde die hohe Quote in den Bereichen Friseurgewerbe und Schönheitspflege, Gastgewerbe und Catering (35%) sowie Pflanzenbau und Tierzucht (31%) etwas missverständlich behandelt. So wurde nicht klar kommuniziert, dass es sich bei diesen Zahlen um die Lehrvertragskündigungs-Quoten bei den zweijährigen beruflichen Grundbildungen mit eidgenössischen Berufsattest (EBA) handelt.
Wie Martin Schmutz, Leiter des Agriprof mitteilte, dürften die Quoten gerade bei den drei- oder vierjährigen Lehren mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) viel tiefer liegen. Er schätzt diese Quoten bei den landwirtschaftlichen Auszubildenden im Vergleich zu anderen beruflichen Domänen sogar noch etwas geringer.
Details aus dem Bericht des Bundesamtes für Statistik
In den Ausführungen über die Methode ist dem Bericht des Bundesamtes für Statistik des Weiteren zu entnehmen, dass es aufgrund verschiedener Berechnungsverfahren und unterschiedlichen Definitionen schwierig war, die Zahlen zu vergleichen und somit auch aussagekräftige Schlüsse zu ziehen. Hierzu hat sich auch Martin Schmutz geäussert. Er sagt aus, dass gerade bei der landwirtschaftlichen Grundausbildung während der Lehre auch kantonsübergreifende Betriebswechsel stattfinden, was die Administration und somit eben auch das Einholen der genauen Zahlen, respektive effektiven Abbrüche nicht vereinfacht.
Bei der Untersuchung durch das Bundesamt für Statistik wurden Lernende berücksichtigt (und sogenannt „längsschnittlich beobachtet“), welche im Sommer 2012 ihre eben zweijährige, betrieblich organisierte Grundausbildung angetreten haben Die Statistik konnte die Wiedereinstiegsquote nach dem 1. Januar 2015 nicht mehr miteinbeziehen.
Hinzu kommt auch, dass bei der Auswertung nicht nur die LVA- sondern auch die Wiedereinstiegsquoten und der Bildungserfolg berücksichtigt wurde, um ein differenzierteres Bild von dieser Bildungslandschaft abzugeben. Und berechnet wurde sowohl eine LVA-Quote, als auch eine personenbezogene Quote. So ist also nicht nur ersichtlich, wie viele Vertragsauflösungen es gegeben hat, sondern auch wie viele Lernende wie oft eine LVA hinter sich hatten. Diese Zahl wurde zwar nicht spezifisch auf die Landwirtschaftsberufe, sondern nur gesamthaft über alle untersuchten Lehrlinge erhoben. Aber die Quote fällt personenspezifisch dann nicht mehr gleich hoch aus.
Ein etwas anderes Bild der Sachlage
All diese Fakten und methodischen Hintergründe dürften ein etwas anderes Licht auf die Verhältnisse in der Grundausbildung werfen, respektive zeichnen dann auch ein etwas anderes Bild der Bildungslandschaft im Bereich der Landwirtschaft ab. Die Beweggründe für diese hohen Quoten, welche im Artikel von "Blick" wiedergegeben wurde, sind dabei also fragwürdig. Die hohen LVA-Quoten bei EBA-Lehrlingen können nicht alleine nur auf den Trend zu mehr Frühförderung und die daraus resultierende Überforderung zurückgeführt werden.
cpo