Bei hohen Temperaturen und Trockenheit entstehen bei der Gülleausbringung die höchsten N-Verluste durch Bildung von Ammoniak. Für eine erfolgreiche Gülleapplikation im Sommer gelten daher die allgemeinen Grundsätze der verlustfreien Ausbringung.
Gegen Nährstoffverluste durch Auswaschung hilft es wiederum, die Düngemenge dem Aufnahmevermögen der jeweiligen Kultur anzupassen.
Neben der Vermeidung von Nährstoffverlusten spielt bei der Gülleausbringung auch der bodenschonende Einsatz von Gülletechnik eine Rolle. Generell sollte eine grossvolumige Bereifung gewählt werden. Ebenso ist der Reifendruck anzupassen und das Befahren feuchter Böden zu vermeiden.
Ideale Kombination
Wie Messungen belegen, treten die grössten Ammoniak-Verluste innerhalb der ersten Stunde nach der Gülleausbringung auf. Um dies zu vermeiden, ist die direkte Einbringung (Injektion) mit gleichzeitiger Einmischung in den Boden die günstigste Variante.
Auch Schleppschlauchverteiler weisen hier gegenüber einem Güllefass mit Prallteller grosse Vorteile auf. Erfolgt eine bodennahe Ausbringung, so sind im Hinblick auf die gasförmigen Verluste Güllen mit niedrigen Trockensubstanzen günstiger zu beurteilen als solche mit hohen TS-Gehalten.
Bei hohen Tagestemperaturen mit starker Sonneneinstrahlung sollten lediglich die frühen Morgenstunden bzw. der Abend zur Ausbringung genutzt werden. Ideal sind natürlich kühle und windstille sowie Regentage.
Unverzichtbar ist allerdings auch dann die sofortige Einarbeitung. Die Vorzüge einer Gülleausbringung im Frühling sind in der landwirtschaftlichen Praxis mittlerweile unbestritten.
Bei der Gülle liefert der Gehalt an Ammonium-Stickstoff wertvolle Hinweise. Denn diese Stickstoffform, die bei Rindergülle etwa 50%, bei Schweinegülle sogar 70 bis 80% des Stickstoffgehalts ausmacht, ist nachweislich unmittelbar düngewirksam. Diese Dünger sollten bevorzugt zu Vegetationsbeginn eingesetzt werden. Nur dann kann der volle Düngewert ausgeschöpft werden.
Nicht jeder Mist ist gleich
Auch der Miststock hat den Winter hindurch stark an Grösse gewonnen. Und man kann es kaum erwarten, diesen auf die Felder zu verteilen. Organische Dünger unterscheiden sich je nach Herkunft erheblich im Nährstoffgehalt und dem sich daraus ergebenden Nährstoffwert.
Festmiste enthalten vergleichsweise wenig Ammonium; Stickstoff, liegt hier vor allem in organisch gebundener Form vor und kann von den Pflanzen erst genutzt werden, nachdem er im Boden in mineralische Formen überführt worden ist. Wie schnell die Mineralisation abläuft, hängt entscheidend von der Einstreumenge ab. Denn je mehr Stroh der Mist enthält, desto weniger eng ist das Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff und umso langsamer verläuft die Umsetzung.
Peter Fankhauser