Die übermütigen und hungrigen Kälber warten im Kälberschlupf. Nur die Metallschranke hält sie von ihrem Vorhaben ab, auf den Laufhof zu stürmen und möglichst schnell ihre Portion Milch bei ihrer Ammenkuh abzuholen. Die Ammenkühe auf der anderen Seite des Tores erwarten die Jungtiere mit etwas mehr Geduld. Sie stellen sich routiniert auf diesen Säugeakt ein. Alle warten sie auf den Bauer, der noch die letzten Vorbereitungsarbeiten tätigt. Dann endlich ist es soweit: ein konzentrierter, ruhiger Toni Diener erscheint auf der Bildfläche und öffnet die Schranke. Kaum ist der Zugang offen, scheint sich die angestaute Spannung in Sekunden- schnelle zu entladen. Die Kälber suchen sich ihren Platz bei der zugeteilten Amme. Ein paar orientierungslose Kälber weist der 65-jährige Bauer den richtigen Eutern zu. Dann unterbricht er seinen automatisierten Ablauf für das Interview.
Ammenmilch für die Mast
Toni Diener senior und junior betreiben seit 15 Jahren ammengebundene Kälberaufzucht. Dieners Betrieb in Küssnacht am Rigi SZ ist biozertifiziert. Und obwohl auf dem Biomilchmarkt derzeit gute Preise ausbezahlt werden, wird seit dem Jahr 2005 jeder Tropfen Milch für die Mast verwendet. Früher hätten sie selbst noch Mastremonten aufgezogen, heute würden sie ab und zu noch an einen externen Mäster liefern. «Momentan verkaufen wir aber keine Kälber weiter, da Kalbfleisch sehr gefragt ist. Wir ziehen jedoch vier Kuhkälber als Ammen und ein Stierkalb für die Zucht nach.» Die Ammenkühe stehen nun entspannt auf dem Platz, während die Kälber ihren Durst stillen. Eines davon musste aufgrund des Verlustes der Mut- ter umgewöhnt werden – was gut gelingt. Gemäss Diener erfordert dieses System sehr viel Planung und Koordination, ist mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und bedingt, dass der Bauer gerne tiernah arbeitet. Wesentlich sei bei der Zucht auch die Wahl zahmer und liebevoller Ammenkühe, damit die Angewöhnung der Kälber gut funktioniere.
cpo
Das ausführliche Porträt des Betriebs finden Sie in der aktuellen Ausgabe der BauernZeitung vom 19.Januar. Lernen Sie die BauernZeitung jetzt 4 Wochen kostenlos kennen und gewinnen Sie einen Reisegutschein im Wert von 3000 CHF.