Die öffentliche Diskussion um den Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung hält weiter an. Besonders beim Trockenstellen der Kühe greifen viele Milcherzeuger auf die prophylaktische Gabe von Langzeit-Antibiotika zurück.
Auch Milchviehhalter Werner Kocher aus Worben BE wendet diese Methode bei seien Kühen an. Seit fünf Jahren verabreicht er jeder Kuh Trockensteller. Dazu versiegelt er zusätzlich noch die Zitzen. Der Versiegler wirkt bis zum Ende der Trockenstehzeit, indem er den natürlichen Keratinpfropf in der Zitze ersetzt.
Reduzierte Behandlungen
«Seit ich diese Praxis konsequent durchführe, sind Behandlungen von Euterinfektionen mit Antibiotika während der Laktation eine Seltenheit geworden», hält der Landwirt fest. Es gebe Jahre, da habe er deswegen keinen ärztlichen Eutereingriff mehr benötigt. «Mir ist es lieber, dass ich in der Galtzeit vorsorge, anstatt während der Laktation die ‹teure› Antibiotika-Milch wegzuwerfen», so der Landwirt.
Wie es scheint, steht Werner Kocher mit seiner These nicht alleine da. Fragt man bei den Tierärzten und Landwirten nach, teilen viele seine Ansicht. Eine Studie, die von der Nutztierklinik der Vetsuisse-Fakultät in Bern aktuell durchgeführt wird, soll nun Klarheit schaffen, welche Auswirkungen prophylaktische Trockensteller auf den Antibiotikaverbrauch während der Laktation haben.
Projekt läuft
«Das Forschungsprojekt ist fast beendet», sagt Michèle Bodmer von der Vetsuisse-Fakultät auf Anfrage. Die Auswertungen aller gesammelten Daten seien im Gange und werden frühestens Ende 2018 abgeschlosssen sein. «Danach werden die Resultate kommuniziert», hält Bodmer fest. Hinter vorgehaltener Hand hört man aber jetzt schon, dass die These von Werner Kocher und einigen Tierärzten nicht ganz falsch sei: Dass, wenn man Trockensteller benutzt, während der Laktation viel weniger Antibiotika gebraucht werde, als wenn man die Kühe ohne Schutz in die Galtzeit entlasse.
Peter Fankhauser