Der Sommer 2017 ist überdurchschnittlich warm. Dazu kommt ein hoher Insektendruck. Dies erfordert von den Tierhaltern Flexibilität und Mehraufwand bei der Weidehaltung. Sorgfalt lohnt sich, denn Passanten schauen sich die Herden an und melden ihre Beobachtungen den kantonalen Veterinärdiensten. Dabei gibt es grosse regionale Unterschiede.
Im Aargau mehr ein Thema
Nur rund zehn Meldungen sind etwa diesen Sommer beim Veterinärdienst der Urkantone (Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden) eingegangen, weiss Kantonstierarzt Andreas Ewy. Im Kanton Aargau gehen an einem heissen Tag allein bis zu zehn Meldungen zum Thema Witterungsschutz ein. Dabei gebe es aber grössere Schwankungen. «Die Bevölkerung ist etwas sensibler geworden und reagiert zunehmend auf vermeintliche Missstände», sagt Sebastian Menzel, zuständig für den Tierschutz Nutztiere beim Veterinärdienst Aargau. Dass Tierhalter nachlässiger geworden seien, muss er aber nicht feststellen. Der Luzerner Kollege Hans-Urs Vogel bekräftigt diesen Eindruck: «Wir erhalten wenige Meldungen, die Tendenz ist rückläufig». Vogel führt dies auch auf die Sensibilisierung der Luzerner Tierhalter mit Merkblatt und Flyer seit 2014 zurück. Die wenigen Meldungen würden zeigen, dass sich die allermeisten Tierhalter der Thematik bewusst sind und mittels Weidemanagement für gute Lösungen sorgten, tönt es aus den Urkantonen. Ist trotzdem eine Intervention durch den Veterinärdienst angezeigt, «ist in der Regel Verständnis vorhanden und die Situation lässt sich mit wenigen Massnahmen rasch verbessern», ergänzt Kantonstierarzt Ewy.
50 Prozent stimmen
Oft geht es bei den Meldungen um fehlende Schattenplätze bei sehr heisser Witterung. Es seien vor allem Autofahrer oder Spaziergänger, die an stark frequentierten Strassen oder Wegen Beobachtungen machten, berichtet Sebastian Menzel. In den Urkantonen sind es in den Bergen vor allem Touristen. Bei den Tiergattungen sind überwiegend Rinder und Schafe betroffen. Und wie häufig stellen sich diese Hinweise aus der Bevölkerung als berechtigt heraus? «Ungefähr 50 Prozent bewahrheiten sich», schätzt man im Aargau. Auch Hans-Urs Vogel will nicht von voreiligen Meldungen sprechen. Oftmals werde man erst informiert, wenn über mehrere Tage der fehlende Witterungsschutz beobachtet werde. Meldungen könnten meist recht effizient per Telefon erledigt werden, sofern der Tierhalter ausfindig gemacht werden kann. Ab und zu lösen sich dann auch Missverständnisse auf. Etwa wenn die Tiere eigentlich in den offenen Stall gehen könnten oder auf weitläufigen Weiden in einer anderen Ecke genügend Schattenplätze vorhanden wären. Hat der Hinweis jedoch Hand und Fuss, ordnen die Behörden Sofortmassnahmen an. Im Wiederholungsfall geht der Veterinärdienst oder die Polizei «auf alle Fälle» selber vor Ort.
Armin Emmenegger
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